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Neubauprojekt auf AK-Grund wirft Fragen auf

26.01.2022 • 02:10 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
An der Bärenkreuzung in Feldkirch wird ein Niedrigenergie-Bürohaus in Holzsystembauweise mit sieben Geschossen realisiert. Rhomberg Bau errichtet das Gebäude als Generalunternehmer.bau S´Bärehus in Feldkirch. In 14 Monaten, so heißt, es, soll das sogenannte „Bärahus“ fertiggestellt sein. <span class="copyright">CityOFFICE Feldkirch Development GMBH</span>
An der Bärenkreuzung in Feldkirch wird ein Niedrigenergie-Bürohaus in Holzsystembauweise mit sieben Geschossen realisiert. Rhomberg Bau errichtet das Gebäude als Generalunternehmer.bau S´Bärehus in Feldkirch. In 14 Monaten, so heißt, es, soll das sogenannte „Bärahus“ fertiggestellt sein. CityOFFICE Feldkirch Development GMBH

Deal zwischen AK und Wiener Immo-Unternehmen kam über Hinweis von AK-Vizepräsidentin Auer zustande. Deren Schwester ist zu 50 Prozent Eigentümerin der Bauträgerfirma.


An der viel befahrenen Bärenkreuzung in Feldkirch wird seit Kurzem der vor zwei Jahren eingerichtete Parkplatz wieder aufgerissen. Grund dafür ist ein großes Neubauprojekt, das nun in die Umsetzung geht.

Ursprünglich wollte hier die Arbeiterkammer Vorarlberg als Grundstückseigentümerin selbst ein Bürohaus um knappe 10 Millionen Euro errichten. Die Pläne blieben jedoch trotz eines gültigen Baubescheids in der Schublade. Die Suche nach Mietinteressenten gestaltete sich nicht zuletzt aufgrund der hohen Baukosten an diesem Standort immens schwierig. Auch das Land Vorarlberg, das ursprünglich großen Platzbedarf angemeldet hatte, zog sein Interesse zurück.

Ebenfalls ergebnislos verlief laut AK-Direktor Rainer Keckeis in weiterer Folge der Versuch, das Grundstück im Baurecht zu vergeben. Zahlreiche namhafte Immobilienunternehmer im Land ließen die Finger von dem Projekt. Im Jahr 2019 ließ die AK wissen, dass man „aufgrund der derzeitigen baukonjunkturellen Lage“ nicht bauen werde, und es keinen zusätzlichen Platzbedarf mehr gebe. Allerdings, so hieß es damals, sei das Projekt nicht endgültig vom Tisch, es könnte in einigen Jahren erneut aufgegriffen und umgesetzt werden.

Das Grundstück gehört der Arbeiterkammer. <span class="copyright">HArtinger</span>
Das Grundstück gehört der Arbeiterkammer. HArtinger

Grundstück im Baurecht vergen

Umgesetzt wird es jetzt tatsächlich, jedoch – wie erwartet – nicht von der Arbeiterkammer. Wie Direktor Keckeis auf NEUE-Anfrage mitteilt, wurde das Grundstück auf 70 Jahre im Baurecht vergeben. Auf die Frage, wer das Projekt umsetze, nannte Keckeis den Namen eines Immobilienunternehmens mit Sitz in Wien, die im Jahr 2021 gegründete „CityOffice Feldkirch Development GmbH“.
Wie sich unschwer herausfinden ließ, handelt es sich bei der Miteigentümerin und Geschäftsführerin dieser Firma um die Schwester der amtierenden AK-Vizepräsidentin und ÖGB-Landesgeschäftsführerin Manuela Auer. Elke Auer, früher Managerin und Geschäftsführerin des Vorarlberger Wirtschaftsparks (VWP) in Götzis, hält 50 Prozent an besagter Gesellschaft, die andere Hälfte gehört der Austro Immo Gmbh, hinter der wiederum mehrheitlich der – als Österreichs Paradesanierer bekannte – Top-Investor Erhard Grossnigg steht.

AK-Vizepräsidentin Manuela Auer. <span class="copyright">Lerch</span>
AK-Vizepräsidentin Manuela Auer. Lerch

Kontakt kam über AK-Vize Auer zustande

Zustande gekommen ist der Kontakt zwischen der AK und den nunmehrigen Investoren und Bauträgern über einen Hinweis von AK-Vizepräsidentin Manuela Auer, die als ÖGB-Landessekretärin in den Neubau einziehen wird. Der ÖGB hat ein Vormietrecht, weil die Landesorganisation bereits im seinerzeit abgerissenen Gebäude an diesem Standort untergebracht war und einen entsprechenden Mietvertrag hatte.

Nicht mitentschieden.

Eine schiefe Optik sehen die Beteiligten allesamt nicht. Manuela Auer weist im NEUE-Gespräch darauf hin, dass sie bei der Beschlussfassung über die Vergabe im Baurecht im AK-Vorstand nicht mitgestimmt habe (wird von Keckeis bestätigt) und bei den Verhandlungen mit den Investoren selbstverständlich nicht dabei gewesen sei. Und künftiger Mieter sei nicht die Landesorganisation, sondern der ÖGB auf Bundesebene. „Es hat niemand einen Vorteil daraus gezogen, weder finanziell noch irgendwie anders. Ich habe meiner Schwester lediglich gesagt, dass sie sich das mal anschauen soll. Es hat sich ja über Jahre niemand dafür interessiert“, erinnert sich Auer. Sie räumt allerdings ein, froh darüber zu sein, dass der ÖGB „wieder an seinen „alten, guten Standort“ zurückkehren kann. Die letzte Entscheidung darüber sei allerdings im Bundesvorstand getroffen worden, in dem sie nicht sitze. Der ÖGB und die Postgewerkschaft werden rund ein Viertel der zur Verfügung stehenden Bürofläche mieten.

AK-Direktor Rainer Keckeis.<span class="copyright"> hartinger</span>
AK-Direktor Rainer Keckeis. hartinger

Kostenintensiv

Warum nimmt nun Elke Auer dieses als sehr schwierig geltende Projekt in die Hand? Sie wolle an diesem einzigartigen Standort ein nachhaltiges Leuchtturmprojekt realisieren, sagt die Immobilienexpertin. Geplant ist ein siebengeschossiges Niedrigenergiehaus, das bis auf den Liftschacht ganz aus Holz gebaut ist. „Die kalkulierten Mietpreise lasssen sich nur mit einem ökologischen Projekt rechtfertigen“, sagt Auer. Als Kostentreiber nennt sie das kleine Grundstück und die aufgrund der Lage schwierigen Bauarbeiten im Untergrund. In dem Umstand, dass der Kontakt mit der AK über ihre Schwester zustande kam, sieht sie ebenfalls nichts Zweifelhaftes. „Das Grundstück wollte offenbar keiner haben und jeder, der ein bisschen rechnen kann weiß, dass das kein klassisches Inves­torenprojekt ist.“ Zur Höhe der Baukosten wollte die Unternehmerin keine Angaben machen.

Immobilienunternehmerin  Elke Auer. <span class="copyright">Auer</span>
Immobilienunternehmerin Elke Auer. Auer

Planungen abgelöst

AK-Direktor Rainer Keckeis schildert die Sache so: „Manuela Auer hat von unseren Bemühungen um die Suche nach einem Interessenten für das Grundstück gewusst. Es wurde im Vorstand ja mehrfach darüber berichtet. Sie hat erzählt, dass ihre Schwester in dieser Branche tätig ist. Daraufhin habe ich Kontakt mit Elke Auer aufgenommen.“ Die Verhandlungen, so Keckeis weiter, hätten selbstverständlich ausschließlich der zuständige Mitarbeiter Andreas Lampert und er selbst geführt. Eine schiefe Optik sieht auch der AK-Direktor nicht: „Der Baurechtsvertrag ist zum Vorteil und im Interesse der Arbeiterkammer abgeschlossen worden. Nachdem es keine Sippenhaftung gibt und die Mehrheit im Vorstand diesen Vertrag auch ohne die FSG-Fraktion beschlossen hätte, kann diese Frage klar verneint werden.“ Laut Keckeis zahlten die Inves­toren für die Übernahme der Planungen einen Einmalbetrag in der Höhe von einer halben Million Euro. Zudem erhält die AK einen Grundrechtszins von zwei Euro pro Quadratmeter.