Politik

Ländlelabor funktioniert vorerst

18.01.2022 • 17:59 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
<span class="copyright">Land Vorarlberg/Ongaretto</span>Gantner und Wallner im neuen Labor.
Land Vorarlberg/OngarettoGantner und Wallner im neuen Labor.

Das Land hat die Testinfrastruktur ausgebaut, am Personal fehlt es aber immer noch.

Die mangelnde Lust der Landespolitik, sich in Sachen PCR-Tests weiterhin für Fehler verantwortlich machen zu lassen, scheint ein wesentlicher Auslöser für die rasche Aktivierung jenes Labors gewesen zu sein, das nun in Dornbirn bis zu 10.000 Proben täglich auswerten soll.

Jedenfalls wurden sowohl Landeshauptmann Markus Wallner als auch Landesrat Christian Gantner (beide ÖVP) bei einer Besichtigung des Ländlelabors am Dienstag nicht müde, die Vorteiler der lokalen Lösung zu betonen. „Wir arbeiten seit Wochen daran, im Bereich der PCR-Testung mehr Eigenständigkeit zu bekommen“, so Wallner.

Unterstützung des Landes

Hätte das Land nicht selbst erhebliche Mittel eingesetzt, liefe der Betrieb in Dornbirn vermutlich immer noch auf Sparflamme. Nicht nur IT-Techniker wurden mobilisiert, um EDV-Probleme zu beheben, auch das Institut für Umwelt und Lebensmittelsicherheit musste kurzfristig Kräfte abstellen, um die Auswertung der PCR-Tests im Land zu ermöglichen. Allerdings hat man damit auch die Möglichkeit, bei Problemen selbst einzugreifen: „Wir sehen, ob die Proben ausgewertet werden und wann die Proben ausgewertet werden“, so Landesrat Gantner.

<span class="copyright">Land Vorarlberg/Ongaretto</span>Das Labor von Außen.
Land Vorarlberg/OngarettoDas Labor von Außen.

Nachdem man ob des Testchaos in den vergangenen Tagen wohl nicht nur Freundlichkeiten ausgetauscht hatte, zeigten Politik und Laborleitung Einigkeit beim gemeinsamen Canossagang zur Bevölkerung. Man entschuldigte sich für die vergangenen Probleme bei der Auswertung der Tests und verlieh der gemeinsamen Hoffnung Ausdruck, dass die eingetretene Besserung auch anhalten werde.

Nach wie vor Personalmangel

Gesichert scheint dies allerdings nicht zu sein. Obwohl die Laborinfrastruktur bereits seit längerem vorhanden war, war es zunächst nicht gelungen, den zum Vollbetrieb notwendigen Personalstand zu erreichen. Auch jetzt wird die Maximalauslastung nur mit Überstunden erreicht. So verfügt man bei den Labortechnikern aktuell über 3,3 Vollzeitäquivalente – nötig wären aber sechs. Der Betreiber des Labors musste zwischenzeitlich zwei Laboranten aus Graz abziehen, um in Vorarlberg auswerten zu können.
Die Unterstützung des Umweltinstituts ist derzeit nur für diesen Monat avisiert. Ein Mitarbeiterausfall könnte also schnell zu empfindlichen Friktionen im Auswerungsablauf führen.

Dennoch läuft das Labor nun erst einmal auf Hochtouren. Von Dienstag auf Mittwoch konnte die festgesetzte Maximalkapazität sogar überschritten werden indem es dem Team gelang, 11.000 Test auszuwerten. Im Schnitt waren in den letzten Tagen jeweils 7000 Proben zu bearbeiten.

Transport fällt weg

Die Auswertungszeiten lagen bei den PCR-Tests aus den Landesteststraßen bei durchschnittlichen 16 Stunden und bei den Apothekentests bei 21 Stunden. Für die Überprüfung der Grugeltests brauchte man zwar gewöhnlich 25 Stunden, allerdings werde die Zeit hier ab dem Gurgeln gemessen, erläuterte Gantner. Wer danach also noch wartet, bis er den Test abgibt, verlängert also statistisch die Zeit bis zur Auswertung.
Die Fristen würden sich nun schon dadurch verkürzen, dass der Transport der Proben nach Salzburg wegfalle, so die Laborkoordinatorin Jennifer Blauensteiner. Die Vertreterin der Tauernlabor GmbH bedankte sich für die Hilfe des Landes bei der Umsetzung und auch der Laborleiter vor Ort bestätigte, dass man bisher von keinem Bundesland so unterstützt worden sei.

Gantner lobte im Gegenzug den Einsatz des Auftragnehmers. Mit einigen Ausnahmen verlasse nun kein PCR-Test mehr Vorarlberg. Wallner stellte den Vorsprung gegenüber den anderen Bundesländern heraus, die immer noch nach Auswertungsmöglichkeiten suchten. Außer Wien könne kein anderes Land so viele Tests innerhalb der eigenen Grenzen auswerten.

Andere Tests, andere Auswertung

Die Auswertung der behördlich angeordneten Tests, das sind etwa 2000 pro Tag, erfolgt weiterhin in der Feldkircher Pathologie.
Nur die Schultests werden nach wie vor über ein eigenes System der Anbieter Novogenia und Covid Fighters außerhalb Vorarlbergs abgewickelt, das in der Verwantwortung des Bundes liegt und in den letzten Wochen de facto kollabiert war. Die Ausschreibung der Schultests, die laut Beschwerde eines Mitbewerbers auf die beiden Anbieter zugeschnitten worden war, hatte im Vorjahr wiederholt werden müssen. Das nun in der Kritik stehende Konsortiom hatte aber auch das geänderte Vergabeverfahren gewonnen.