International

Ziel ist Rückkehr zu Normalität im Sommer

28.11.2020 • 11:24 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Kurz am Freitag in einer Videokonferenz mit EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen
Kurz am Freitag in einer Videokonferenz mit EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen APA/Bundeskanzleramt/Dragan Tatic

EU wird mehr Impfdosen haben als sie selbst braucht.

Ziel im Kampf gegen die Corona-Pandemie ist es nach Worten von Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP), in Österreich bis Sommer 2021 wieder zur Normalität zurückkehren zu können. Alle Bundesländer würden vor Weihnachten Massentest durchführen, „schneller als gedacht „, sagte Kurz am Freitag nach einer Videokonferenz mit EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. Die von ihm im Sonmer genannte Perspektive „Licht am Ende des Tunnels“ werde „immer wahrscheinlicher“.

Kurz erwarte durch die Impfungen von Monat zu Monat Schritte zu mehr Normalität. Hoffentlich werde bis zum Sommer ein so hoher Anteil der Bevölkerung geimpft sein, dass „wir die Pandemie für beendet erklären und das Virus besiegt haben“.

Auch von der Leyen sagte in der Videokonferenz, es gebe jetzt noch eine schwierige Phase, aber „wir haben jetzt Licht am Ende des Tunnels. Wir wissen, wir können das Virus besiegen“.

Details zum Beschaffungsprozess

Kurz dankte der EU-Kommissionschefin dafür, dass sie „einen wirklich guten Beschaffungsprozess aufgestellt hat“ für den Impfstoff gegen Covid-19. Kurz warnte aber vor zu viel Euphorie angesichts der genannten Zahl von zwei Milliarden Impfdosen, welche sich die EU sicherstellen könne. Zwei Prozent der EU-Dosen stünden Österreich zu, sagte der Kanzler. Man müsse aber bedenken, dass die Impfung zweimal durchgeführt werden müsse.

Außerdem gebe es große Unterschiede der Impfstoffe bei Wirksamkeit und bei der Geschwindigkeit der Zulassung. „Wir sind weit davon entfernt, dass alle sechs Anbieter ein perfektes Produkt haben, das in der EU zugelassen wird“, so Kurz. In der EU stünden erst zwei Impfstoffe vor der Zulassung. „Wir werden am Anfang eine Knappheit haben“, erwartet Kurz. Das Problem einer Überlieferung werde nicht bestehen, die Situation könnte sich aber in den folgenden Monaten entspannen. Kurz bekräftigte, erste Gruppen sollten im Jänner geimpft werden, „vielleicht sogar ein paar Tage früher“.

Kurz mahnte die Bevölkerung zu einem weiteren Durchhalten, „auch wenn es schwerfällt“. Mit den Antigentests besteht die Chance, das Infektionsgeschehen unter Kontrolle zu halten. Die Infrastruktur für die Massentests soll für die Impfungen genutzt werden, kündigte Kurz an. Auch würden die Massentests weiter gehen, wobei nicht immer ganze Bundesländer durchgetestet werden müssten.

Die Kosten für die Impfungen übernehme die Republik Österreich, versicherte Kurz. Kosten für die Impfungen, Test sowie für Logistik und Personal seien „irrelevant im Vergleich zu wirtschaftlichen Schäden eines Lockdowns, von den Freiheitseingriffen gar nicht zu sprechen“.

Kurz lobt von der Leyen dafür, dass sie bei der Beschaffung des Impfstoffs Überkapazitäten eingeplant habe, um die Nachbarschaft der EU zu unterstützen. Kurz sieht vor allem die Westbalkan-Staaten als potenzielle Empfänger. „Wir sind schon jetzt mit den Ländern in Kontakt, um sie logistisch zu beraten“, sagte er.

„Die nächsten Monate werden geprägt sein von notwendigen Einschränkungen und Regeln „, so Kurz. Generell brauche es einen Anteil von rund 70 Prozent an Geimpften in der Bevölkerung, damit das Virus vollkommen ausgerottet werde. Jeder Schritt dorthin bringe aber schon eine Erleichterung. Dies bedeute etwa eine Entspannung für die Spitäler und auch, dass weniger Menschen sterben müssten. Kurz versicherte auch, dass in der EU und in Österreich nur ein hundertprozentig sicherer Impfstoff zugelassen werde.

Die Diskussion um eine Schließung der Skigebiete in dieser Wintersaison „war kein Thema“ in der Konferenz mit von der Leyen, sagte Kurz. „Es gibt auch keinen Druck auf Österreich. Wir treffen selbstverständlich selbst die Entscheidung, wann wir wie öffnen.“ Diese hänge ja auch vom Infektionsgeschehen in Österreich ab.

Kurz bedauerte, dass es in der EU nicht gelungen sei, Fragen von Reisen und Quarantäne besser zu koordinieren. Dies sei leider nicht gelungen. Schuld daran sei nicht die EU, auch viele Mitgliedstaaten hätten das nicht gewollt. Die EU könne aber nicht regeln, wann Fußball gespielt werden dürfe oder man laufen darf, so Kurz.