Wirtschaft

Zeitpunkt für Neustart im Tourismus offen

24.11.2020 • 11:50 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Große Fragezeichen rund ums Skifahren
Große Fragezeichen rund ums Skifahren Ktn Werbung

Hoteliers plädieren für Verlängerung des Lockdown, um Saison zu retten.

Ob Hotels und Pensionen tatsächlich am 7. Dezember wieder öffnen dürfen, ist höchst fraglich. Nicht allein wegen nach wie vor sehr hoher Infektionszahlen. Auch die Hoteliers selbst fürchten, ein zu frühes Öffnen vor bzw. zu Weihnachten könnte eine dritte Coronawelle im Jänner und damit ein vorzeitiges Ende der Saison auslösen: „Es gibt die strategisch-pragmatische Überlegung, ob ein Aufsperren zwischen 10. und 15. Jänner für Betriebe und Republik nicht das Beste wäre“, sagt etwa Sigismund Moerisch, Obmann der Kärntner Hotellerie. „Lieber in der Intensivphase zusperren, um den Rest der Saison zu retten.“

Vor Weihnachten? Zwischen den Feiertagen und Silvester? Oder überhaupt erst im Jänner? Im österreichischen Tourismus werden aktuell diverse Szenarien durchgespielt, wann die heimischen Hotels wieder ihre Pforten öffnen könnten. Letztlich wird freilich alles von der Entwicklung des Infektionsgeschehens abhängen – doch auch innerhalb der Branche lassen sich, je nach geografischer Lage, unterschiedliche Präferenzen erkennen.

Vor allem die beiden westlichen Bundesländer Tirol und Vorarlberg haben sich zuletzt dafür ausgesprochen, erst Mitte Jänner wieder zu öffnen, um das restliche Wintergeschäft mitzunehmen. Die dahinterliegende Sorge: Wird zu früh wieder geöffnet, könnten die Coronafallzahlen wieder steigen, was auch die Gefahr eines etwaigen dritten Lockdowns im Februar erhöhen könnte. Ein Horrorszenario, denn dann wäre die Wintersaison endgültig ruiniert. Hinzu kommt, dass die westlichen Bundesländer besonders stark von ausländischen Touristen, vor allem aus Deutschland, abhängig sind.

Seilbahnbetreiber wollen loslegen

So schnell wie möglich wollen die Seilbahnen in Kärnten wieder den Betrieb aufnehmen.

„Nur zu 20 Prozent ausgelastet“

Normalerweise sind die zwei Weihnachtswochen in vielen Skigebieten ausgebucht: „Sperren heuer alle auf, sind viele vielleicht zu Silvester voll, aber davor und danach nur zu 20 Prozent ausgelastet“, fürchtet Moerisch. Die Reiselust sei maximal gebremst, Reisewarnungen machen Reisen aus dem Ausland nahezu unmöglich.

„Momentan keine Perspektive“

Das bestätigt auch Kärnten-Werbung-Chef Christian Kresse: Weder die Infektionszahlen (aktuell liegt die 7-Tage-Inzidenz in Kärnten um das Zwölffache über dem für Reisewarnungen wichtigen Schwellenwert von 50) noch die Märkte ließen momentan eine Perspektive zu: „Und solange ist eine Diskussion über Öffnungen sekundär“, so Kresse. „Die sehr international ausgerichteten Betriebe im Westen sagen, solange die Deutschen nicht kommen können, lassen wir die Betriebe zu“, weiß Michaela Reitterer, Präsidentin der Österreichischen Hoteliersvereinigung (ÖVH). „Bundesländer mit vielen heimischen Winterurlaubern wollen hingegen früher aufsperren“.

„Das Bemühen aller“

Gestern haben sich dazu Hoteliersvertreter mit den zuständigen Ministerien ausgetauscht. Ein Fazit: „Es gibt das Bemühen aller, in der nächsten Woche zeitliche Rahmenbedingungen abzustecken“, so der steirische Branchenvertreter Alfred Grabner. Der Eigentümer des Sporthotels Grabner in Kapfenberg und WK-Obmann der Fachgruppe Hotellerie berichtet von einer relativ eindeutigen Stimmungslage in der Steiermark: „Wenn es die Zahlen zulassen, möchten wir so schnell wie möglich wieder öffnen, wir wollen ja arbeiten.“ Grabner verweist auf eine Umfrage unter steirischen Betrieben, bei der sich kaum jemand für eine Wiedereröffnung erst im Jänner ausgesprochen habe. Als eine Art Wunschtermin habe sich der 25. Dezember herauskristallisiert, „aber wenn es möglich ist, sperren wir gerne auch früher auf“, sagt Grabner. Natürlich müsse alles sehr gut mit den Seilbahnen und auch der Gastronomie koordiniert werden. Österreichs Seilbahnen-Obmann Franz Hörl betont jedenfalls, dass er die Hoffnung auf eine Weihnachtssaison noch nicht aufgegeben habe.

„Wollen so schnell wie möglich öffnen“

Reitterer, die in Wien ein Boutiquehotel führt, sieht es pragmatisch: „Aus Sicht der Stadthotellerie können wir ruhig bis Mitte Jänner zusperren.“ Wie die Ansinnen in eine bundesweit einheitliche Regelung geformt werden können, ist offen. Das bestätigt man im Büro von Tourismusministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP). Sie wisse um die verschiedenen Bedürfnisse. Grundlage für Entscheidungen seien die Infektionszahlen.

Wie viel erhalten geschlossene Betriebe?

Letztlich geht es auch – und vor allem – ums Geld: Wie viel erhalten Betriebe vom Staat, die zusperren müssen? Moerisch nennt die Verlängerung des Umsatzersatzes von 80 Prozent über den 6. Dezember hinaus als „Wunsch als Christkind“ und „verhandelbar“. Für Reitterer ist klar, dass sich „die 80 Prozent nicht mehr machen lassen“. Sie geht davon aus, dass Hotels & Co. nur noch den Fixkostenzuschuss beantragen dürfen, der Umsatzersatz werde wohl am 6. Dezember auslaufen, selbst wenn der Lockdown in die Verlängerung geht. „Das Sinnloseste wäre es wohl, wir dürften aufsperren und niemand kommt.“ Die Entscheidung, ob und wann die Betriebe öffnen dürfen, müsse spätestens Anfang kommender Woche fallen, appelliert Moerisch: „Wir müssen mit Gästen und Mitarbeitern kommunizieren.“ Auch Gastronomie und Handel hängen massiv am Tourismus.