Politik

Gewaltschutzgipfel in Österreich

23.11.2020 • 10:50 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Nehammer und Raab: "Man kann immer die Nummer 133 anrufen, die Polizisten sind gut geschult"
Nehammer und Raab: „Man kann immer die Nummer 133 anrufen, die Polizisten sind gut geschult“ APA/Herbert Neubauer

Dieser wird vom Bundeskanzleramt und Innenministerium organisiert.

Unter dem Motto „Gemeinsam gegen Gewalt“ werden sich Politik, zivile Frauenorganisationen und Polizei Montag und Dienstag zu Herausforderungen und Maßnahmen zur Verbesserung der Situation austauschen, hieß es im Vorfeld des Gewaltschutz-Gipfels. Die Veranstaltung läuft Corona-bedingt hauptsächlich online ab.

Das Motto: „Hinschauen, wo man noch besser werden kann und muss“: Frauenministerin Susanne Raab und Innenminister Karl Nehammer betonten vor Beginn des Meetings, Gewalt insbesondere gegen Frauen und Kinder sei in vielen Haushalten traurige Realität. „Das kann keine Privatsache sein.“

Wichtig sei, dass jede Frau wisse, dass es einen Ort gebe, wo sie sich hinwenden kann, wo sie geschützt ist vor Gewalt. Dazu sei es nötig, dass Opfer- und Täterschutzorganisationen, dass private Institutionen und Exekutive perfekt vernetzt seien. Gerade zur Zeit der Pandemie gebe es auch erhöhten Druck in Familien „wo man hinschauen muss“.

Im Notfall 133

Es gebe in jedem Bundesland Gewaltschutzzentren, in 90 Prozent der österreichischen Bezirke Frauen- und Mädchenschutzeinrichtungen. Nehammer: „Jede Frau muss wissen, dass sie im Notfall auch 133 wählen kann, die Polizisten sind gut geschult.“ Vor allem aber auch die Menschen, Nachbarn, Freunde, seien gefordert, sich zu melden, wenn sie Gewalt beobachteten.

Neben der Eröffnung durch Frauenministerin Susanne Raab und Innenminister Karl Nehammer (beide ÖVP) sind Videobotschaften von Helena Dalli, EU-Kommissarin für Gleichstellung, sowie von Dubravka Simonovic, UNO-Sonderberichterstatterin für Gewalt gegen Frauen, geplant. Weltweit wird der 16-tägige Zeitraum zwischen dem 25. November, dem Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen, und dem 10. Dezember, dem Internationalen Tag der Menschenrechte, genützt, um auf die verschiedenen Ausprägungen von Gewalt gegen Frauen aufmerksam zu machen.

Im Jahr 2019 gab es in Österreich 8.748 Betretungsverbote. Davon wurden 920 in der Steiermark verhängt, wobei 1029 Personen Opfer von Gewalt gemeldet wurden. In Kärnten gab es 548 Betretungsverbote. Prozentuell, gemessen an jeweils 100.000 Einwohnern, ist die Zahl der verhängten Betretungsverbote in Wien am höchsten. Die Zahlen im Jahr 2020 stiegen beträchtlich.

83 Prozent der Opfer familiärer Gewalt waren im Jahr 2019 Frauen und Mädchen, 90 Prozent der Gefährder waren männlich.

„Jede von Gewalt betroffene oder bedrohte Frau hat in Österreich einen Zufluchtsort. Diese Signale sind besonders jetzt in der Lockdown-Zeit wichtig, für die Experten einen möglichen Anstieg von häuslicher Gewalt prognostizieren“, betonte Raab. „Mit dieser Veranstaltung wollen wir gemeinsames und deutliches Signal gegen Gewalt an Frauen und Kindern setzen und zur Sensibilisierung beitragen“, kündigte Nehammer an.