Sport

Line Calling schickt Linienrichter in Pension

29.10.2020 • 15:22 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Das Line Calling in der Stadthalle
Das Line Calling in der Stadthalle GEPA pictures

Bei den Erste Bank Open wird erstmals das „Line Calling“ eingesetzt.

„Es war eine wirklich komische Situation“, beschrieb Dominic Thiem einen skurrilen Moment in seinem Match gegen Vitali Satschko mit einem Lächeln: „Plötzlich ist das ,Out‘ ertönt, obwohl der Ballwechsel schon längst vorüber war. Das hat in der Halle für großes Lachen gesorgt.“ Dieses „Out“ kam von der Computerstimme des sogenannten Line Callings. Dieses ersetzt heuer bei den Erste Bank Open in Wien die Linienrichter. Hintergrund sind die Corona-Maßnahmen zur Minimierung von Kontakten auf dem Platz.

Line Calling klingt zwar innovativ, ist aber unterm Strich nichts anderes, als die Weiterentwicklung des Hawk Eyes. Und so funktioniert es: Insgesamt sind rund um den Center Court zwölf „Ball Tracking Cameras“ sowie sechs zusätzliche Kameras, die auf Fußfehler achten, installiert. Die Bilder werden innerhalb von Sekundenbruchteilen vom Computer ausgewertet. Landet der Ball im Aus, ertönt sofort das „Out“ der Computerstimme. Oder in manchen Fällen eben etwas verspätet.

Unumstößliche Entscheidungen

Fällt die Entscheidung eng aus, handelt es sich um einen sogenannten „Close Call“. Der Videobeweis wird dann umgehend in der Halle und in den TV-Kastl’n im Wohnzimmer eingespielt. Sie machen nicht nur die Challenges überflüssig, sondern ersticken auch jegliche Diskussionen mit Schiedsrichtern im Keim: Computerentscheidungen sind unumstößlich.

Thiem, der heute (nicht vor 17.30 Uhr) im Wien-Achtelfinale auf Christian Garin trifft, hat sich mit dem System bereits angefreundet und stellt ihm ein „Sehr gut“ im Zeugnis aus: „Mir taugt es, weil es so keine Fehlentscheidungen mehr gibt. Im Fußball gab es viele legendäre Momente, die durch kleine Fehlentscheidungen entstanden sind. Im Tennis ist das aber etwas anderes, da ist der Ball entweder drinnen oder draußen – da sollten keine Fehler passieren“, sagt der Österreicher, der sich wie andere Spieler auch bei den heurigen French Open nach einer Anhäufung von strittigen Szenen dafür ausgesprochen hat, dass künftig auch bei Sandplatzturnieren das Hawk Eye zum Einsatz kommen sollte.

Skurrile Alternativen

Werbeexperten wollen beim Line Calling künftig angeblich sogar noch einen Schritt weitergehen. So soll es den Vorschlag geben, dass der Computer statt „Out“ einen Produktnamen einspielt. Also die Reklame der Zukunft. Eine wirre Idee, der auch Thiem nichts abgewinnen kann. Verständlich, wäre es doch schräg, würde nach jedem Ausball nicht ein „Out“, sondern ein „Persil“ oder ein „Dragee Keksi“ ertönen.