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Das Imperium hat zurückgeschlagen

26.10.2020 • 13:43 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Tao Geoghegan Hart
Tao Geoghegan Hart AP

Tao Geoghegan Hart sicherte sich beim Zeitfahren den Gesamtsieg.

Am Ende hat Ineos alles richtig gemacht. Obwohl mit dem vorzeitigen Ausscheiden von Topfavoriten Geraint Thomas nach dem dritten Teilstück die Messe schon gesungen schien, hat der dominante Rennstall der vergangenen Jahre die Gesamtwertung des 103. Giro d’Italia doch noch gewonnen. Tao Geoghegan Hart hat auf der 21. und letzten Etappe der Italienrundfahrt das Rosa Trikot des Gesamtführenden von Jai Hindley (AUS/Sunweb) übernommen. Nach der ersten von drei Giro-Wochen war mit einem Ineos-Sieg wahrlich nicht mehr zu rechnen. „Nicht einmal in meinen Träumen habe ich mir gedacht, dass das passieren könnte“, sagte der Brite, „es ist großartig, dass wir so in Mailand angekommen sind. Es ist ein Privileg.“

Die Briten waren auch ohne Thomas die klare Nummer eins auf der Apenninenhalbinsel. Mit dem Sieg im Einzelzeitfahren nach Mailand hat Filippo Ganna den siebenten Etappensieg für Ineos eingefahren und auch die Teamwertung ging an die „Grenadiere“. Nach der Schmach bei der Tour de France – Titelverteidiger Egan Bernal stieg unter ferner Liefen vorzeitig aus – und dem Ausstieg von Thomas war dieser Erfolg Balsam auf die Seele der zuletzt viel gescholtenen Mannschaft. Vor allem die beiden eigentlichen Zeitfahrspezialisten Ganna (ITA) und Rohan Dennis (AUS) stellten sich in den Dienst der Mannschaft und überraschten mit tollen Antritten und feinen Bergfahrten.

38 Sekunden entschieden

Hindley und Geoghegan Hart gingen mit der gleichen Gesamtzeit in das Einzelzeitfahren und am Ende hatte der Mann mit dem irisch-gälischen Namen um 38 Sekunden die Nase vorne. Geoghegan Hart fuhr drei Minuten vor seinem Konkurrenten von der Rampe in Cernusco sul Naviglio. Für die 15,7 Kilometer bis zum Mailänder Dom benötigte er 18:14,90 Minuten. Ganna knallte 17:16,55 Minuten in den Asphalt – ein starker Auftritt des Weltmeisters im Kampf gegen die Uhr.

Nach dem Giro-Sieg von Chris Froome im Jahr 2018 war es der zweite für einen britischen Berufsradfahrer und der zweite für die Equipe; wiewohl Froome noch unter dem Namen „Sky“ gewonnen hatte. Froome wird das Team im Winter verlassen, bei Geoghegan Hart wird die Vertragssituation (nur inklusive 2020) wohl bald geklärt. Thomas und Bernal sind 2021 noch dabei.

Die österreichischen Profis dürfen mit ihren Leistungen bei der italienischen Landesrundfahrt sehr zufrieden sein: Patrick Konrad (Bora) beendet die zweite Grand-Tour des Jahres auf dem achten Endrang. Es war somit der beste Mann des deutschen Rennstalls. „Ich glaube, das ganze Team hat einen guten Job erledigt. Das Team war immer präsent und hat um Etappensiege gekämpft“, verlautete der bestplatzierte Österreicher. Bei Bahrain-Profi Hermann Pernsteiner verhinderte ein Defekt auf der Cesenatico-Etappe eine bessere Platzierung. Der Niederösterreicher landete auf dem zehnten Gesamtrang. Österreichs Zeitfahrmeister Matthias Brändle (Israel Start Up Nation) wurde am Schlusstag noch einmal guter 20.