Sport

„Beim Sport passieren wenig Neuinfektionen“

17.10.2020 • 12:21 Uhr / 8 Minuten Lesezeit
Werner Kogler über die Arbeit als Sportminister
Werner Kogler über die Arbeit als Sportminister APA/HERBERT NEUBAUER

Werner Kogler im Gespräch über Corona geprägten Agenden im Sport.

Vizekanzler Werner Kogler galt selbst eins als Fußball-Talent bei Sturm Graz. In seinem Ressort, dem Sport, war seine Amtszeit bisher stark von Corona geprägt. Dass er aber nicht nur an der Lösung all der aufgrund des Virus auftretenden Probleme arbeitet, machte er in einer Runde mit den Bundesländerzeitungen am Donnerstag klar.

Ein Auszug aus dem ausführlichen Gespräch, in dem es auch über die wiederholte Kritik des Rechnungshofes an den österreichischen Sport-Strukturen ging (Kogler: „Es ist viel verbessert worden, aber es gibt immer noch Bedarf an allen Stellen“) – aber auch um Pläne, Frauen – und natürlich Corona und die Folgen. Werner Kogler über …

… die heimische Sportstruktur: „Uns ist bewusst, dass man die auch anders hinstellen kann. Aber nicht von oben herab, das ist auch nicht mein Interesse. Wir werden weitermachen und schauen, ob wir mit unserer Schwerpunktsetzung gut durchkommen.“

… das heimische Sportbudget: „Schon unter meinem Vorgänger Strache wurde das erhöht, so ehrlich muss man sein. Jetzt verfügen wir über 151 Millionen Euro, 10,8 Millionen mehr als 2020. On top kommen 35 Mio. für die Profi-Sportligen dazu, die dort die Einnahmenausfälle ersetzen sollen.

… die Absicherung des heimischen Amateursports: „Der Hilfsfonds (für Non-Profit-Organisationen/auch Feuerwehr, Kultur etc.) verzeichnete bisher 3000 Anträge von Sportvereinen und erteilte Zusagen über 33 Mio. Euro. Die Zufriedenheit mit Art und Tempo der Auszahlung ist hoch. Auch dort ist verlängert worden.“

… das Geld für den NPO-Fonds: „Die Mittel für den Fonds (heuer 700 Mio. Euro, Anm.) sind so hoch, dass keine Sparte zu kurz kommt. Im nächsten Jahr gibt es noch einmal 250 Mio. und das, was heuer übrig bleibt, kommt auch in diese Schatulle. Ich schätze, 350 bis 400 Mio. stehen 2021 noch zur Verfügung. Die Auszahlungshöhen sind europaweit einzigartig.“

… das Procedere: „Der Amateursport gehört zu den eifrigsten Antragstellern. Bei kleineren Summen wird vor Auszahlung gar nicht lange nachgeprüft, die Abwicklung passiert in 48 Stunden, das ist die höchste Geschwindigkeit bei einem Hilfsfonds.“

… Korrekturen beim Sportligenfonds für Profis: „Bei den Richtlinien wurde uns bewusst, dass nur Männerligen zum Zug kommen. Deshalb haben wir auch Fördersummen für Strukturförderung im Frauensport eingeführt, für die Bereiche, wo international gespielt wird. Das gilt etwa für Fußball, Eishockey, Handball, Basketball, Volleyball, Tischtennis.“

… zusätzliche Förderungen für Frauenligen: „Wir starten schon heuer mit rund 1,5 Mio. Euro zusätzlich, etwa die Hälfte ist ein Sockelbetrag für die Vereine in diesen Ligen. Es geht dabei auch um Mindestabsicherung, um Talenteererkennung und Betreuung. Wir werden einiges in die Hand nehmen und antauchen.“

Der alljährliche Auftakt in den Ski-Winter ⛷ in Sölden ist seit dem Jahr 2000 eine Tradition. Dass diese auch in so…

Gepostet von Bundesministerium für Kunst, Kultur, öffentlichen Dienst und Sport am Samstag, 17. Oktober 2020

… Vertretung von Frauen in Funktionärsetagen: „Ab November schon wollen wir mehr Entscheidungsträgerinnen in Fördereinrichtungen haben. Außerdem wollen wir jährlich 15 Absolventinnen aus sportwissenschaftlichen Studienzweigen bei der Trainerinnen- und Trainerausbildung in unseren Nachwuchskompetenzzentren fördern. Nach einem erfolgreichen Screening durch eine Expertenkommission, das Sportministerium übernimmt das Gehalt. Binnen weniger Jahre steht dann ein Fundus gut ausgebildeter Trainerinnen zur Verfügung.“

… Sportinfrastruktur während Corona: „Da sind wir eine Spur Covid-Opfer, wir waren im Februar schon bereit, ins Tun zu kommen. Aber jetzt wollen wir sogar zulegen. Die Gesundheitskrise löste eine epochale Beschäftigungskrise aus – und wir wollen schauen, wie wir in Investitionsprogramme kommen. Die wirtschaftspolitische Frage: Kann man in Summe nicht sogar mehr machen? Ja, zuerst muss aber vor den Entscheidungen eine Prioritätenreihung stattfinden.“

… Unschärfen im Dopinggesetz: „Wir waren in der Vorlage sehr aktiv und wollten der WADA-Vorgabe (Weltantidopingagentur) genügen. Da wird noch an kleineren Schräubchen gedreht, wir haben aber die Absicht, dass das mit Jahreswechsel in Kraft tritt. In Dopingprozessen herrschte in Bezug auf das Strafmaß Unverständnis – die Frage wird sein, ob man nachschärft oder ob die Gesetze ausreichen.“

… ein Technologiezentrum: „Wir wollen ein Leitinstitut für mehrere Verbände und Sportarten, das Synergieeffekte garantiert. Wir waren Gast beim Zentrum des Skiverbands, das wurde schon unter Vorgängern begonnen. Das wollen wir nicht nur absichern, sondern auch ausbauen. Beispiel Rodeln: Die Perfektionierung in der Gleittechnik ist auch auf den Skibereich anwendbar. Das kam schon Marcel Hirscher zugute, heißt es.“

… den Behindertensport: „An der Spitze gibt es erfolgreiche Individualisten aus eigenem Antrieb, aber nicht organisierter Weise. Und auch in der Breite muss nachgeholfen werden. Ich weiß, wovon ich spreche: Meine Lebensgefährtin hat selbst eine behinderte Tochter.“

…die Fülle an Sportgroßveranstaltungen in Österreich: „Ob zu viel, damit habe ich mich nicht auseinandergesetzt, wir sind in keinem dirigistischen System. Aber wenn Bundesförderung beantragt wird, werde ich nicht reduzieren, sondern eher dem genügen, was moderne Veranstaltungen mit sich bringen sollen: Da geht es um Nachhaltigkeit, um wirtschaftlich mehrfachen Nutzen zu stiften. Wir hatten schon Abrechnungen, bei denen man sich fragte, ob die wirtschaftliche Herangehensweise so schlau war. Am Schluss der Wertschöpfungskette müssen die Regionen profitieren, das ist genau mein Zugang.“

… ein neues Nationalstadion in Wien: „Damit sind mehrere Projekte verbunden, etwa ein Trainingszentrum. Man kann nicht viele 100 Millionen in ausschließlich eine Sportart investieren, sondern muss danach trachten, multifunktional zu sein. Wir sind dabei, mehrere Interessensvertreter am Tisch zu haben. Ich habe mich nicht endgültig festgelegt – aber ohne die Stadt Wien wird es kaum gehen.“

… Zuschauer in der Corona-Krise: „Wenn ich die Ukraine weglasse, geht es in vergleichbaren Ländern Europas überall nach unten. Je nach Stadiongröße können es in der nächsten Lockerungsphase 30 Prozent der Plätze sein, aber auch 20 oder 40 Prozent. Es geht nicht nur um Sitzplätze, sondern auch um die Größe der Bereiche drum herum – WC, Ausschank, Ein- und Ausgänge.“

… die Krise im Allgemeinen: „Wenn es mit der Zunahme der Infektionszahlen so weitergeht, müssen wir uns in wenigen Wochen wieder um Kapazitäten in den Spitäler und um Intensivbetten kümmern – das gilt es zu vermeiden. Solange es geht, wollen wir regional differenziert vorgehen. Die Abwägungsfrage: Was sind Veranstaltungen, die ein behördlich genehmigtes Konzept haben und nur mit zugewiesenen Sitzplätzen ablaufen? Beim aktiven Sport passiert an Ansteckungen wenig, in Fitnessstudios sind allerdings einige Cluster bekannt.“