Politik

Wie US-Sport Demokratie stärken will

27.10.2020 • 11:40 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Michelle Obama und LeBron James
Michelle Obama und LeBron James AP

Wähler sollen Weg in Sport-Tempel finden, um Stimme abzugeben.

Bis die Fans der Los Angeles Rams das erste Mal ins milliardenteure neue SoFi Stadium dürfen, dauert es wegen der Corona-Pandemie wohl noch Monate. Die futuristische Anlage kennen sie bisher überwiegend nur aus dem Fernsehen. Die Präsidentenwahl in den USA bietet eine neue Chance, denn viele der riesigen Stadien und Sporthallen im US-Profisport werden bei dieser so aufgeheizten Wahl zwischen Amtsinhaber Donald Trump und seinem Herausforderer Joe Biden erstmals ein Wahllokal.

Ausgelöst haben diese bemerkenswerte Entwicklung die Basketball-Profis der NBA. Seit dem durch Polizisten verursachten Tod des Afroamerikaners George Floyd und den folgenden landesweiten Protesten gegen Rassismus und Polizeigewalt gegen Schwarze haben sich vor allem die Frauen und Männer aus dieser Sportart dafür eingesetzt, dass die Infrastruktur ihrer Mannschaften für die Wahl genutzt wird. Weil sie verhindern wollen, dass Menschen ihre Stimme nicht abgeben – weil Warteschlangen zu lang sind, die Sorge vor dem Coronavirus in kleinen Wahllokalen wie Schulen oder Büchereien zu groß ist oder sie sich schlicht nicht erwünscht und schikaniert fühlen.

Der NBA-Superstar und erklärte Trump-Gegner LeBron James hat zudem die Initiative „More than a vote“ ins Leben gerufen und will damit vor allem Schwarze dazu animieren, ihre Stimme auch wirklich abzugeben. Mit seinen Millionen Fans in den sozialen Netzwerken hat der Topspieler vom Meister Los Angeles Lakers eine enorme Reichweite. Auf vielen Trikots der NBA-Profis stand bis zum Saisonende zudem „Vote“ (wähle), in Interviews haben sie zudem wieder und wieder auf die Notwendigkeit hingewiesen, abstimmen zu gehen. Die National Football League schaltet Spots zur besten Sendezeit während der NFL-Spiele und ruft zur Wahl auf.

„Einen Platz wie eine Basketballarena zu öffnen, ist eine so große Veränderung, wie sie es sich nur vorstellen können“, zitierte die Zeitung „USA Today“ den Politikwissenschaftler Ben Taylor von der Kennesaw State Universität. „Es ist eine unglaublich großartige Entwicklung, da viele Menschen an einem Ort abstimmen können. Wenn also Probleme auftreten, werden sie an einem Ort behoben. Oder wenn es an den frühen Wahltagen regnet, können sie die Leute ins Gebäude bringen und den Abstand einhalten.“

Die Dallas Mavericks, die Los Angeles Lakers, die Sacramento Kings – insgesamt 20 NBA-Teams stellen Einrichtungen zur Verfügung. 16 Football-Teams wollen nach Angaben der NFL ihre Arenen für die Wahl nutzbar machen. Nicht überall kann in vollem Umfang gewählt werden, an manchen Orten können sich Bürger nur registrieren oder ihre bereits ausgefüllten Wahlzettel abgeben. Aber auch damit soll die Wahlbeteiligung nach oben getrieben werden. Auch Fußballstadien aus der MLS, Baseballstadien der MLB oder Hallen der Frauen-Basketballliga WNBA sind unter den Orten, die vor und am 3. November angesteuert werden können. Darunter sind das ikonische Dodger Stadium in Los Angeles oder der Madison Square Garden in New York.

Auch die State Farm Arena in Georgia zählt dazu. Die Heimstätte der Atlanta Hawks zählt zu den bereits geöffneten Wahllokalen, insgesamt 19 Tage lang können Amerikaner dort ihre Stimme abgeben. Bei laut „USA Today“ 302 Wahlmaschinen kommen da theoretisch einige zehntausend Stimmen zusammen – in einem Bundesstaat, den der Republikaner Trump vor vier Jahren gewann, der nun aber umkämpft ist und an den Demokraten Biden gehen könnte.

Die Hawks, die Mitarbeiter dafür abgestellt haben, um in der Halle für effektive Abläufe zu sorgen, und ihren großen Einfluss in der Region nutzen, um Menschen zur Wahl zu animieren, heißen Demokraten wie Republikaner willkommen. Minderheiten oder Menschen mit geringem Einkommen tendieren zu den Demokraten und könnten durch die Vorteile eines so großen Wahllokals wie der Basketballarena angezogen werden, vermutet Politikwissenschaftler Taylor. „Das kann einen Unterschied machen.“