Lufthansa beschließt milliardenschwere Kapitalerhöhung

19.09.2021 • 21:31 Uhr / 5 Minuten Lesezeit

Der AUA-Mutterkonzern Lufthansa will den deutschen Staat als Miteigentümer mit einer 2,14 Milliarden Euro schweren Kapitalerhöhung mit Ende des Jahres weitgehend loswerden. Die Kapitalmaßnahme soll noch vor der Bundestagswahl starten, wie der Konzern am Sonntagabend mitteilte. Der staatliche Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) hatte die Fluggesellschaft in der Coronakrise mit einer milliardenschweren Eigenkapitalspritze vor der Pleite bewahrt.

Mit dem erwarteten Erlös aus der Kapitalerhöhung will der Luftfahrtkonzern nun die beiden Stillen Einlagen des WSF, von denen sie 2,5 Milliarden Euro in Anspruch genommen hat, bis Jahresende zurückgezahlt haben. Die ersten 1,5 Milliarden Euro sollen im Oktober, der Rest bis zum Jahresende getilgt werden.

„Wir haben immer deutlich gemacht, dass wir das Stabilitätspaket nur so lange in Anspruch nehmen werden, wie es notwendig ist“, sagte Lufthansa-Chef Carsten Spohr. „Wir sind daher stolz darauf, dass wir unser Versprechen nun einlösen und die Maßnahmen schneller zurückzahlen können als ursprünglich erwartet.“ Der Konzern erklärte, dass das Adjusted Ebit (ohne Restrukturierungsaufwendungen) im dritten Quartal voraussichtlich positiv ausfallen werde.

Der WSF hält gegenwärtig 15,94 Prozent am Grundkapital der Gesellschaft. Der WSF war eingerichtet worden, um wichtigen Unternehmen über die Corona-Krise hinwegzuhelfen. Der Lufthansa stand er allein mit sechs Milliarden Euro bei. Neben dem Aktienpaket gewährte der Bund ihr stille Einlagen von 5,7 Milliarden Euro, die die Fluggesellschaft erst zum Teil in Anspruch genommen hat.

Die Lufthansa-Aktionäre können bei der Kapitalerhöhung von Mittwoch (22. September) an bis zum 5. Oktober für jede ihrer Aktien eine neue beziehen. Der Preis für die 597,7 Millionen neuen Papiere liegt mit je 3,58 Euro um 56 Prozent unter dem Schlusskurs vom Freitag (8,21 Euro). Im Vergleich zu dem um den Wert der Bezugsrechte bereinigten Kurs (TERP) werden die Aktien mit einem Abschlag von 39 Prozent angeboten. 14 Banken haben sich verpflichtet, alle neuen Papiere, die die Lufthansa nicht an die eigenen Aktionäre losschlägt, auf die eigenen Bücher zu nehmen – der Erlös ist der Lufthansa damit sicher. Der US-Fondsriese Blackrock ist bereit, neue Lufthansa-Aktien für bis zu 300 Millionen Euro zu kaufen. Er hatte seinen Anteil an der Fluggesellschaft kurz vor dem ersten Corona-Lockdown im März 2020 auf weniger als drei Prozent reduziert.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr hatte erst jüngst betont, er wolle die Rückzahlung der deutschen Staatshilfen noch mit der derzeitigen Bundesregierung regeln. „Wir würden gern noch mit den jetzigen Ansprechpartnern Klarheit schaffen“, sagte der Chef von Deutschlands größtem Airline-Konzern vor knapp zwei Wochen.

Einen Kredit der Staatsbank KfW von einer Milliarde Euro hat die Lufthansa bereits zurückgezahlt. Für die Rückzahlung der stillen Einlagen des Wirtschaftsstabilisierungsfonds hatte Spohr die jetzige Kapitalerhöhung bereits angekündigt.

Erst im zweiten Quartal hatte die Lufthansa weitere 1,5 Milliarden Euro aus der zweiten stillen Einlage des Bundes gezogen. Insgesamt hat sie damit Staatshilfen in Höhe von 4 Milliarden Euro in Anspruch genommen. Das Geld stammt von Deutschland sowie Österreich, der Schweiz und Belgien.

Die Rückzahlung aller Staatshilfen gilt auch als Voraussetzung für weitere Fusionen und Übernahmen unter Europas Fluggesellschaften. So lange die Unternehmen der Branche staatlich gestützt werden, sind ihnen Zusammenschlüsse untersagt. Schon vor der Coronakrise sei klar gewesen, dass es zu einer weiteren Konsolidierung kommen werde, sagte Spohr. Die Krise habe in diesem Prozess quasi die Pause-Taste gedrückt. „In dem Moment, wo diese staatlichen Stabilisierungen zurückgezahlt werden, wird diese Pause-Taste wieder auf Play umswitchen“, sagte der Manager. „Denn wir haben viel zu viele Airlines in Europa.“