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Hitzewelle macht Nudeln teurer

13.10.2021 • 12:34 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Preissteigerungen bis zu 25 Prozent könnte es bei der Pasta geben
Preissteigerungen bis zu 25 Prozent könnte es bei der Pasta geben Pixel-Shot – stock.adobe.com

Hitzewelle in Kanada vernichtete Teile der Hartweizenernte.

Anfang Juni stöhnte Kanada unter einer nie da gewesenen Hitzewelle. Mit 49,6 Grad Celsius wurde der Hitzerekord in dem Land gebrochen. Waldbrände sollte die Feuerwehren noch für Wochen auf Trab halten. Der Sommer ging ins Land und damit verblasste auch die Erinnerung an die Hitzekatastrophe im fernen Kanada.

Doch nun spüren vor allem Liebhaber Nudelgerichten oder Couscous die Folgen der Rekordtemperaturen. Denn Kanada ist einer der wichtigsten Produzenten von Hartweizen, nach dem italienischen Reinheitsgebot neben Wasser die einzige Zutat zur Herstellung von Pasta, von getrockneten Nudeln. Und die Hitzewelle vernichtete die Hälfte der Ernte des als „Durum“ bezeichneten Getreides.

Die Folge war ein rasanter Preisanstieg. So kostete Im Jänner kostete die Tonne Durum – so der offizielle Name – noch rund 300 Euro, im September waren es 530 Euro pro Tonne. Das bleibt nicht ohne Folgen für Konsumenten. Beobachter rechnen mit Preissteigerungen von bis zu 25 Prozent.

Von einer sehr harten Zeit für Nudelhersteller spricht Paolo Barilla Aufsichtsratschef des gleichnamigen Unternehmens. Auch Österreichs größter Nudelhersteller Recheis beobachtet die Entwicklungen sehr genau, wie Geschäftsführer Martin Terzer erklärt: „Mit einem längeren Engpass in Österreich rechnen wir nicht. Aber die Situation am Weltmarkt ist aktuell sehr angespannt und aufgrund der Missernte in Kanada unüberschaubar.“

Probleme in Europa

Die Ursachen sind jedoch nicht nur in Kanada zu suchen, auch Europa litt im Sommer unter Klimaextremen, erklärt Andreas Jirkowsky, Getreidehändler bei der Raiffeisen Ware Österreich. „Die wichtigsten Anbaugebiete von Durum in Europa liegen in Frankreich, Spanien und Griechenland.“ In Frankreich sei die Ernte wegen der vielen Regelfälle heuer von schlechter Qualität und auch in Spanien und Griechenland waren die Mengen deutlich kleiner.

Acht Millionen Tonnen Durum braucht Europa jährlich„, sagt Jirkowsky. Rund 2,5 Millionen Tonnen müssen davon üblicherweise importiert werden. „Ist die Ernte schlecht, kann man das normalerweise durch Importe ausgleichen.“ Der Ausfall in Kanada erschwere das nun deutlich.

Hartweizen

Hartweizen, auch Durum genannt, wird seit rund 9000 Jahren angebaut. Seine Ursprünge gehen auf den Nahen Osten zurück

Heute ist Hartweizen die am zweithäufigsten angebaute Weizen-Sorte. Anbaugebiete sind der Mittelmeerraum, Russland, die USA und Kanada. 

Durch den hohen Eiweißgehalt eignet sich Hartweizen sehr gut zur Herstellung von Nudel. Hartweizen ist allerdings auch die Basis für Bulgur und Couscous.

In Italien gibt es ein Reinheitsgebot, demzufolge Pasta nur aus Hartweizen und Wasser bestehen darf.

Und auch Österreich könne mit seinen rund 80.000 Tonnen jährlich hier kaum einen Ausgleich bieten. Auch, weil der heimischen Durum schon in Österreich verarbeitet wird. Unter anderem von der Finkensteiner Nudelfabrik: „Wir haben bisher keine Engpässe in Bezug auf Hartweizen“, sagt Eigentümerin Katharina Gregori. Dennoch mache der rapide Anstieg des Preises dem Unternehmen zu schaffen.

Entspannung im Sommer

Sollte es doch zu einem Engpass bei Lieferung kommen, wäre das ein schwerer Schlag für das Unternehmen. „Wir müssten die Produktion einstellen. Das wäre hart, weil ja die Fixkosten bleiben und wir auch investieren.“ Doch Gregori bleibt zuversichtlich. Vor allem weil man aufgrund der kleinen Struktur in der Produktion recht flexibel reagieren und auf Produkte aus Dinkel und Dinkelgrieß umsteigen könne, der aus Deutschland bezogen wird. „Sofern es genug Lkw-Fahrer gibt“, erklärt die Unternehmerin.

Eine baldige Entspannung bei Durum-Weizen sieht der Getreidehändler Jirkowsky nicht. „Auch wenn wegen des guten Preises die Anbauflächen erhöht werden, ist die nächste Ernte erst im Sommer 2022.“ Erst dann könnte sich der Preis wieder normalisieren. Allerdings nur, wenn die Klimaextreme sich im kommenden Sommer in Grenzen halten und es keine Ernteausfälle gibt.