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Was man am Mars hören kann

24.02.2021 • 12:31 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die Aussicht, die "Perseverance" bis auf Weiteres hat: Marswüste mit dem Rand des Jezero-Kraters im Hintergrund
Die Aussicht, die „Perseverance“ bis auf Weiteres hat: Marswüste mit dem Rand des Jezero-Kraters im Hintergrund (c) AP

Perseverance schickt Tonaufnahmen von Oberfläche des Roten Planeten.

Mensch fährt seine Fühler aus – bzw. besser gesagt: der mehrere Milliarden US-Dollar teure Mars-Rover „Perseverance“, der von ihm zum Mars geschickt worden war und dort vor einigen Tagen erfolgreich auf seiner Oberfläche – genauer im Jezero-Krater auf der nördlichen Halbkugel – aufsetzte.

Nun treffen nach und nach faszinierende Bild- und Tonaufnahmen ein. Zu Panoramaaufnahmen zusammengesetzte und gestochen scharfe Fotos von rötlichen Fels- und Staubwüsten und der in der Ferne ansteigenden Kraterwand in hauchdünner Marsatmosphäre. Faszinierend auch ein Video, in dem zu sehen ist, wie sich zunächst der Fallschirm öffnet und dann die Landedüsen Marsstaub aufwirbeln, bevor der Marsrover an Seilen („Skycrane“) zu Boden gelassen wird. Besonderer Clou: Mars-Satelliten filmten die nervenaufreibende Landung simultan von oben.

Ein Novum, dass der nach „Pathfinder“ (1997) „Spirit“, „Opportunity“ (beide 2004) und „Curiosity“ (2012) mittlerweile fünfte Nasa-Rover ebenfalls beherrscht: Er hat auch feine Ohren bzw. Hochleistungs-Kondensatormikrofone, um aktuelle Tonaufnahmen von der Oberfläche des Roten Planeten über 202 Millionen Kilometer Distanz zu Erde zu schicken (was aufgrund der Entfernung gute elf Minuten dauert). Solche Aufnahmen habe es noch nie zuvor gegeben, jubelt man bei der NASA. Die US-Raumfahrtbehörde, die einst beispielsweise Dokumente der Apollo-Missionen zum Mond wie Staatsgeheimnisse hütete, geht längst anders mit ihrem Material um – und veröffentlicht es öffentlichkeitswirksam.

Die bangen, entscheidenden Minuten am 18. Februar, als "Perseverance" die Mars-Oberfläche ansteuerte
Die bangen, entscheidenden Minuten am 18. Februar, als „Perseverance“ die Mars-Oberfläche ansteuerteAP

„Jetzt, da ihr den Mars gesehen habt, hört ihn! Schnappt euch ein paar Kopfhörer und hört euch die ersten Geräusche an, die von einem meiner Mikrofone eingefangen wurden“, heißt es vom liebevoll „Percy“ genannten Rovers, der längst ein eigenes Twitter-Konto hat. Doch was ist zu hören? Auf den Aufnahmen, die der Rover zur Erde schickte, sind zwei Arten von Geräuschen zu hören: Das hochfrequente, durchgehende Summen im Vordergrund kommt von den Instrumenten in „Perseverance“ selbst – ein rollendes Hochleistungs-Labor mit beispielsweise 23 Kameras. Daneben ist aber auch ein anderes, tieferes Geräusch zu hören: Eine Marsböe, die die mit etwa fünf km/h durch den Jezero-Krater weht, in dem „Preseverance“ gelandet ist.

Dave Gruel, der im „Jet Propulsion Laboratory“ für die Kameras und die Mikrofone verantwortlich zeichnet, erklärt den Grundgedanken, den man hatte, als man auch Mikrofone installierte – eine schöne Geschichte: Ein Mädchen erzählte einst bei einer NASA-Führung von ihrer raumfahrtbegeisterten und sehbeeinträchtigten Schwester. „Sie kann die Bilder nicht sehen, die von ‚Perseverance‘ geschickt wurden“, habe sie erklärt, so Gruel. Das Mädchen müsse ihrer Schwester daher immer alles genau beschreiben, die Welt erlebe sie aber im Wesentlichen über ihr Gehör. Tonaufnahmen ließen sie selbst den Mars erleben, so ihre Hoffnung.

Sie und andere Raumfahrtbegeisterte dürften sich das einige Sekunden lange Tondokument von der Mars-Böe noch häufiger anhören – in sozialen Medien wird es bereits als „Wind of Change“ bezeichnet. Kein Erdling – also auch nicht die Nasa-Experten – wissen indes, was neben Wind noch auf dem Roten Planeten zu hören sein. Man darf also weiter mit Spannung seine Ohren spitzen.