International

Terror in Nizza: Drei Tote und sechs Verletzte

29.10.2020 • 11:58 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Der Tatort
Der Tatort (c) AFP (VALERY HACHE)

Pariser Anti-Terror-Staatsanwaltschaft übernahm Ermittlungen.

Bei einer Messerattacke in der südfranzösischen Küstenstadt Nizza hat es am Donnerstag drei Tote und sechs Verletzte gegeben. Das bestätigten Polizeikreise in Paris. Demnach wurde eine Frau enthauptet. Auch die rechtspopulistische Politikerin Marine Le Pen sprach von einer Enthauptung. Frankreich rief indes die höchste Terror-Warnstufe aus, nachdem es auch in Avignon zu Attacken kam. Zudem wurde ein Wachmann des französischen Konsulats im saudi-arabischen Dschidda bei einem Messerangriff verletzt.

Nizzas Bürgermeister Christian Estrosi twitterte, der mutmaßliche Täter sei festgenommen worden. Estrosi zufolge gleicht die Tat einem terroristischen Anschlag. „Ohne Zweifel“ passe die Art und Weise zu dem Mord am Geschichtslehrer Samuel Paty vor wenigen Tagen. Zu Journalisten sagte Estrosi, die Opfer seien auf „entsetzliche Art“ getötet worden.

Der Täter habe immer wieder „Allahu Akbar“ – arabisch für „Gott ist groß“ – gerufen, selbst nach seiner Festnahme noch. Das Motiv für die Tat blieb zunächst aber unklar. Estrosi zufolge wurde der Angreifer bei seiner Festnahme angeschossen. „Er ist auf dem Weg ins Krankenhaus, er ist am Leben.“

Frankreichs Innenminister Gerald Darmanin bestätigte den Vorfall, ohne zunächst Details zu nennen. Die Anti-Terror-Staatsanwaltschaft wurde nach eigenen Angaben damit beauftragt, die Ermittlungen zu übernehmen. Dabei gehe es unter anderem um den Vorwurf des Mordes in Verbindung mit einem terroristischen Vorhaben, bestätigte die Anti-Terror-Staatsanwaltschaft der Nachrichtenagentur dpa.

Auch bei Avignon Attacke auf Passanten

Auch in der Nähe der südfranzösischen Stadt Avignon hat es einen mutmaßlich islamistischen Angriff auf Passanten gegeben. Ein Mann habe in dem Ort Montfavet mehrere Menschen mit einer Pistole bedroht, bestätigte die Polizei entsprechende Medienberichte. Die Polizei habe den Mann erschossen. Der Hörfunksender Europe 1 meldete, der Angreifer habe „Allahu akbar“ (Gott ist groß) gerufen. Weitere Einzelheiten wurden zunächst nicht genannt.

Der Vorfall habe sich in der Kirche Notre-Dame gegen 9 Uhr ereignet, berichtete der Nachrichtensender BFMTV am Donnerstag. Der Täter wurde dort mit Schüssen gestoppt, Bürgermeister Estrosi erklärte laut Nachrichtenagentur Reuters, der Mann sei daraufhin verhaftet worden. Auch Polizeikreise bestätigten eine Festnahme.

Aus der Kathedrale wurden Medienberichten zufolge kleinere Detonationen vernommen, es könnte sich laut der Zeitung Nice-Matin um vom Täter angebrachte Sprengminen handeln. Die gesamte Kirche wird derzeit genau untersucht. Die Polizei riet indes, den Bereich zu meiden. Innenminister Gérald Darmanin bestätigte einen Polizeieinsatz in der Innenstadt von Nizza. Im Ministerium gebe es eine Krisensitzung.

Darmanin hatte mehrfach von einer hohen Terrorgefahr im Land gewarnt. Erst vor zwei Wochen hatte ein Islamist einen Geschichtslehrer auf offener Straße enthauptet. Der Lehrer hatte die umstrittenen Mohammed-Karikaturen im Unterricht genutzt und für Meinungsfreiheit geworben.

Der Fall sorgte für große Bestürzung im Land. Zehntausende gingen auf die Straße, um sich solidarisch zu zeigen.