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Ausschreitungen bei Protesten in Tschechien

19.10.2020 • 10:07 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Die Polizei setzte Wasserwerfer und Tränengas gegen die teils aggressiven Demonstranten ein
Die Polizei setzte Wasserwerfer und Tränengas gegen die teils aggressiven Demonstranten ein AP/Petr David Josek

Die Polizei setzte in Prag Tränengas und Wasserwerfer ein.

Bei Protesten gegen die Anti-Corona-Maßnahmen der tschechischen Regierung hat es am Sonntag in Prag Ausschreitungen gegeben. Die Polizei setzte Wasserwerfer und Tränengas gegen die Demonstranten ein, fast 20 Polizisten wurden verletzt. Trotz Beschränkungen hatten sich tausende Demonstranten versammelt und nach Angaben von Prags Polizeichef Tomas Lerch die Polizisten „grundlos“ angegriffen. Rund 50 Menschen seien festgenommen worden.

Unter den Demonstranten in der Altstadt, die den Rücktritt von Gesundheitsminister Roman Prymula forderten, befanden sich der Polizei zufolge zahlreiche radikale Fußballfans. Prymula warf den Demonstranten vor, mit ihrem Verhalten „hunderte Neuinfektionen“ provoziert zu haben.

Die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus in Tschechien war zuletzt rapide gestiegen. Am Freitag war mit 11.105 neuen Fällen ein Rekordwert binnen 24 Stunden erreicht worden. In dem EU-Mitgliedstaat mit seinen 10,7 Millionen Einwohnern wurden bisher mehr als 170.000 Coronavirus-Infektionen und mehr als 1.400 Todesfälle registriert.

Slowakei will massenhaft testen

Angesichts steigender Zahlen von Neuinfektionen mit dem Coronavirus will die Slowakei landesweite Testmöglichkeiten anbieten. Bürger würden sich an rund 6000 Stationen im ganzen Land kostenlos testen lassen können, sagte Regierungschef Igor Matovic am Samstag nach Angaben der slowakischen Agentur TASR. Kinder unter zehn Jahren seien davon ausgenommen. Unklar war zunächst, ob die Tests freiwillig oder verpflichtend sein werden.

Die Regierung habe rund 13 Millionen Antigen-Tests bestellt, von denen sie sich schnelle Ergebnisse erhoffe. Die Aktion sollte demnach an den kommenden beiden Wochenenden stattfinden. Polizei und Militär sollten bei der Durchführung unterstützen. „Wenn wir das schaffen, werden wir der ganzen Welt ein Vorbild sein“, sagte Matovic.

Die Slowakei hatte am Freitag zum ersten Mal mehr als 2000 Corona-Neuinfektionen innerhalb eines Tages gemeldet. Insgesamt verzeichnete das Land bisher 28.268 bestätigte Infektionen mit dem Coronavirus. Mit 82 bestätigten Corona-Toten seit Ausbruch der Pandemie scheint die 5,4 Millionen Einwohner zählende Slowakei auf den ersten Blick noch immer weniger stark betroffen zu sein als andere Staaten. Allerdings berücksichtigt das Land nur jene Verstorbenen, bei denen sich keine andere Todesursache nachweisen lässt.