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Impfkonflikte zwischen Eltern und Kind

21.01.2022 • 18:57 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die Corona-Impfung bei Kindern und Jugendlichen ist ein vieldiskutiertes Thema.   <span class="copyright">Symbolbild apa</span>
Die Corona-Impfung bei Kindern und Jugendlichen ist ein vieldiskutiertes Thema. Symbolbild apa

Auch die Kinder- und Jugendanwaltschaft war schon mit einem Impfkonflikt zwischen Eltern und Kind konfrontiert.

Fünf Impfstoffe gegen Covid-19 sind aktuell in der EU zugelassen, zwei davon auch für Menschen unter 18 Jahren. Jener von Moderna kann an Jugendliche ab zwölf Jahren verimpft werden, jener von Biontech/Pfizer bereits an Kinder ab fünf Jahren. Was aber, wenn sich Minderjährige impfen lassen wollen, ihre Eltern aber dagegen sind? Während derartige Fälle anderswo in größerer Anzahl auch schon bei den Kinder- und Jugendanwaltschaften gelandet sind, ist das hierzulande nicht der Fall.

„„Diese Fälle gibt es. Sie sind bei uns aber nicht so häufig“, informiert der Vorarlberger Kinder- und Jugendanwalt Michael Rauch. Bisher sei ein einziger derartiger Fall bis zu seiner Einrichtung durchgedrungen, erzählt er. Allerdings sei die Sachlage zumindest rechtlich klar: Mündige Minderjährige ab 14 Jahren benötigen keine Einwilligung für eine Impfung.

Schwierige Vermittlung

Bei derartigen Problemen zwischen Eltern und Kindern sei die Vermittlungsarbeit allerdings prinzipiell schwierig, so die Erfahrung des Kinder- und Jugendanwalts. Diese Situationen seien unter anderem auch einer der Gründe dafür, dass sich die Kinder- und Jugendanwaltschaften gegen eine Impflicht für Minderjährige ausgesprochen hätten, erklärt Rauch.

Die gesamte Impfthematik sei häufig eh schon schwierig genug. Eine Pflicht für unter 18-Jährige hätte zu zusätzlichen innerfamiliären Problemen führen können, befürchtet Rauch. Ein weiterer wichtiger Grund, warum sich die Kinder- und Jugendanwaltschaften heftig dagegen gewehrt haben, dass sich auch Minderjährige impfen lassen müssen, waren die vorgesehenen Strafen, erzählt er noch.

Kinder- und Jugendanwalt Michael Rauch.                        <span class="copyright"> Klaus Hartinger</span>
Kinder- und Jugendanwalt Michael Rauch. Klaus Hartinger

In Hinblick auf den an ihn herangetragenen Fall bezüglich unterschiedliche Auffassungen von Eltern und Nachwuchs zum Thema Impfung, habe man den Jugendlichen rechtlich informiert. Wie die ganze Sache letztlich ausgegangen ist, weiß Rauch nicht.

Impfthemen werden von den Jugendlichen nicht besonders häufig an die Kinder- und Jugendanwaltschaft herangetragen, berichtet Rauch. Die Sachlage sei klar, und man begrüße, dass es ein Impfangebot für diese Altersklasse gebe. In Detailfragen bzw. im Einzelfall werde aber empfohlen, mit dem Arzt zu reden, weil der die medizinische Expertise habe.

„Was uns häufiger betrifft, sind die Folgen der gesetzlichen Maßnahmen für Kinder und Jugendliche im psychosozialen Bereich“, sagt der Kinder- und Jugendanwalt. Dazu sei man im regen Austausch mit der Gesundheitslandesrätin bzw. der Landesregierung. „Das ist unser Hauptthema, und da betreiben wir auch Lobbyarbeit.“

Sensibles Thema

Fälle, in denen Kinder oder Jugendliche mit ihren Eltern wegen der Impfung einen Konflikt hatten, sind Alexandra Wucher, Co-Geschäftsführerin des Vorarlberger Kinderdorfes, nicht bekannt. Grundsätzlich sei die Impfung aber ein sehr sensibles Thema. „Ich bin diesbezüglich keine Fachfrau und möchte es daher den Experten überlassen“, sagt sie dazu.

Im Kinderdorf werden Jugendliche und Eltern gebeten, sich in Hinblick auf eine Impfung gut zu informieren, und man stelle ihnen dafür auch Informationen zur Verfügung bzw. verweise auf Fachliteratur, erzählt sie. Zugleich werde viel in Schutzmaßnahmen investiert und auf Eigenverantwortung gesetzt, zumal der persönliche Kontakt in ihrer Arbeit unabdingbar sei.