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Spektakuläre Raumfahrt-Pläne

09.01.2022 • 15:02 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Mit dem "Orion"-Raumschiff hat man Großes vor
Mit dem „Orion“-Raumschiff hat man Großes vor NASA

Neue Missionen zu Mars und Mond, dazu gezielte Kollision mit Asteroiden.

Der Blick auf die irdische Welt mag gerade jetzt trist sein – da locken Ausblicke in andere Sphären. Das neue Jahr bietet Freunden der Raumfahrt einige Höhenflüge.

Missionen brechen etwa zu den ewigen Zielkoordinaten Mond und Mars auf. So startet heuer die russisch-europäische Mission „ExoMars“ – im Juni 2023 soll sie auf dem Roten Planeten landen, so der Plan von ESA und Roskosmos. Der im All umtriebige SpaceX-Gründer Elon Musk will sein für Mondlandungen konzipiertes Raumschiff „Starship“ im März das erste Mal die Erde umkreisen lassen. Indien, das sich ebenfalls als Raumfahrtnation etablieren will, wagt den zweiten Versuch, eine Sonde auf dem Mond landen zu lassen. Zudem wird das 2021 aufgebrochene, spektakuläre „James-Webb“-Teleskop in Position gebracht.

Im Oktober wird es definitiv spannend: Dann wird eine im vergangenen November gestartete NASA-Sonde den Zielasteroiden Dimorphos erreichen und in ihn krachen. Ziel dieses Unterfangens: Die nationale US-Raumfahrtbehörde erhofft sich von der Mission „DART“ (Double Asteroid Redirection Test) Aufschlüsse darüber, wie die Erde vor herannahenden Asteroiden geschützt werden könnte. Ein Szenario, das man aus dem reißerischen Hollywood-Streifen „Armageddon: Das jüngste Gericht“ kennt, soll also „in echt“ getestet werden, um künftige Asteroiden in ihrer Flugbahn ablenken zu können.

Mehr zu einigen der – abseits vom All-Tourismus der privaten Anbieter – geplanten Projekte im Raumfahrt-Jahr 2022 finden Sie hier:

Eine NASA-Sonde soll den Zielasteroiden Dimorphos erreichen
Eine NASA-Sonde soll den Zielasteroiden Dimorphos erreichenSonstiges

Lässt sich Flugbahn ablenken?

Im vergangenen November ließ die NASA erstmals eine Sonde starten, die mit einem Asteroiden kollidieren und dessen Flugbahn verändern soll: „Wir kriegen Dich“, twitterte die NASA recht angriffslustig. Im Oktober 2022 soll die Sonde den Asteroiden-Mond Dimorphos treffen – die Mission ist wichtig für zukünftige Bedrohungsszenarien.

Der Mars-Rover "Rosalind Franklin"
Der Mars-Rover „Rosalind Franklin“Sonstiges

Mars – einmal mehr unter Lupe

Die „ExoMars“-Mission könnte im August oder Oktober zum Mars starten – am Zeitplan wird noch getüftelt. Einmal eingetroffen, soll der Rover „Rosalind Franklin“ den Roten Planeten erforschen: Im Fokus stehen Klima, Atmosphäre sowie Strahlenbelastung – aber auch die Frage, ob Wasser-Eis unter der staubigen Marsoberfläche stecken könnte.

Russland will mit "Luna 25" zum Mond zurückkehren
Russland will mit „Luna 25“ zum Mond zurückkehrenSonstiges

Der Mond lockt noch immer

Der einzige natürlich Erdtrabant erwartet 2022 zahlreiche Besuche: Russland will mit „Luna 25“ zum Mond zurückkehren – die Sowjets waren dort zuletzt vor stolzen 46 Jahren. Indien plant erstmals sanft aufzusetzen, 2019 hat die Raumsonde „Vikram“ eine Bruchlandung hingelegt. Die NASA plant auch Mondflüge, damit beauftragt wurden einige kommerzielle Anbieter.

Das "James Webb"-Supterteleskop legt los
Das „James Webb“-Supterteleskop legt losSonstiges

"Webb" zum Dienst angetreten

Jüngst konnte das zu Weihnachten nach endloser Verzögerung gestartete Weltraumteleskop „James Webb“ seinen riesigen Sonnenschild voll entfalten: lebensnotwendig, um das Teleskop und seine Instrumente vor Wärme und Licht zu schützen. Nun fiebert man im US-Kontrollzentrum spannenden Daten über die Frühzeit des Universums entgegen.

"Orion" soll Ende 2022 vom Kennedy Space Center gestartet werden
„Orion“ soll Ende 2022 vom Kennedy Space Center gestartet werdenSonstiges

Das "Orion"-Raumschiff

Auf Hochtouren laufen die Vorbereitungen für das „Orion“-Raumschiff der NASA. „Orion“ soll Ende 2022 vom Kennedy Space Center gestartet werden. In in einer dreiwöchigen Reise peilt man eine Flugbahn 65.000 Kilometer jenseits des Mondes an. Mit dem „Artemis“-Programm will die NASA samt Partnern wieder Menschen zum Erdtrabanten bringen.

Die ESA-Raumsonde "Juice" soll Jupiter-Monde erforschen
Die ESA-Raumsonde „Juice“ soll Jupiter-Monde erforschenSonstiges

Die Pläne der ESA

Bei der ESA hat man für 2022 auch einige hochfliegende Pläne im Talon: Im Spätsommer will man zu den Jupiter-Monden aufbrechen. Die Raumsonde „Juice“ soll die Galileischen Monde des Gasriesen – Europa, Kallisto, vor allem aber Ganymed – erforschen: Die TU Graz entwickelte die optische Sensorik des Magnetometers.

Samantha Cristoforetti, die erste Europäerin als ISS-Kommandantin
Samantha Cristoforetti, die erste Europäerin als ISS-KommandantinSonstiges

Eine erfreuliche Premiere

Mit der ESA-Astronautin Samantha Cristoforetti (44) wird 2022 erstmals eine Frau aus Europa das Kommando auf der Internationalen Raumstation ISS übernehmen. Die Ernennung der Italienerin zum „Boss“ der „Expedition 68a“ sieht ESA-Generaldirektor Josef Aschbacher als Appell: „Ihre Nominierung als ISS-Kommandantin ist eine Inspiration. Ich ermutige Frauen ausdrücklich zur Bewerbung für unser Astronautenteam.“

Auch wenn sich der Blich nach oben stets lohnt, ist ist das astronomische Jahr 2022 eher beschaulich, was besondere Ereignisse betrifft: Vormerken sollte man sich aber den 25. Oktober: Dann steht eine partielle Sonnenfinsternis an, die sich auch in Österreich beobachten lässt, sollte es das Wetter zulassen: Der Neumond wird sich vor die Sonnenscheibe drängen und deren Fläche zu fast einem Drittel bedecken. Es wird die letzte Sonnenfinsternis in Österreich bis 29. März 2025 sein.

Aber auch der Mond gibt sich bedeckt: Am 16. Mai gibt es eine totale Mondfinsternis, die bei uns indes kaum zu beobachten sein wird, weil sie in das Morgengrauen fällt. Mehr zu sehen ist an der US-Ostküste bzw. in Mittel- und Südamerika. Die zweite totale Mondfinsternis am 8. November ist hierzulande gar nicht zu beobachten: Mehr Glück hat da, wer gerade im Pazifik oder in der Arktis weilt.