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Freud und Leid der „Ikone mit den Tränen“

31.12.2021 • 08:57 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Vivienne Causemann als Frida Kahlo. <span class="copyright">Anja Köhler</span>
Vivienne Causemann als Frida Kahlo. Anja Köhler

Dass Frida Kahlos Leben auch heute noch fasziniert, zeigt „Frida – Viva la Vida“.

Laut, forsch, mit einer dampfenden Zigarette im Mundwinkel und einem derben und geistreichen Spruch auf den Lippen – so erscheint Frida Kahlo auf der kleinen Bühne am Vorarlberger Landestheater. Vivienne Causemann lässt das Publikum hautnah teilhaben an dem bewegten Leben der weltberühmten mexikanischen Künstlerin, das geprägt war von dem Schmerz eines versehrten Körpers, und doch getragen von ihrer Lebensfreude, ihrer Liebe, und nicht zuletzt von ihrer Haltung. Das Solostück „Frida – Viva la Vida“ von Leopold Huber feierte gestern Premiere in der Box, starken Applaus gab es sowohl für Causemanns packendes Spiel als auch für das Regieteam.

Das weiße Bühnenbild. <span class="copyright">Anja Köhler</span>
Das weiße Bühnenbild. Anja Köhler

Regisseurin Maria Lisa Huber lässt Frida zuerst ganz in Weiß erscheinen, und das ist auch Ramona Bereiters Bühnenbild – bis die Wassermelone platzt und das Glas zerspringt. Der Unfall, bei dem eine Straßenbahn mit einem Bus kollidierte, ist das buchstäblich einschneidende Erlebnis in Fridas Leben. Im Krankenbett beginnt sie, ihre Selbstporträts zu malen, gründlich und mit Geduld. „Ich male mir meine eigene Wirklichkeit“, sagt sie. Ihre Selbstbildnisse tragen den Schmerz der Künstlerin in sich, doch werden sie auch zur Maske, die ihr wahres Gesicht ersetzt. Noch heute blicken die Menschen weltweit auf ihre Selbstporträts und sehen eben diese Maske – „die Ikone mit den Tränen“.

„Gringoleute“

„Zuerst überfuhr mich eine Straßenbahn, dann Diego Rivera“, sagt Frida. Die Freundschaft und Liebesbeziehung zu dem Maler wird zu einem bestimmenden Faktor ihres Lebens. Mit ihm reist sie 1932 nach Detroit, wo Rivera einen Auftrag erhielt, gefördert von Henry Fords Sohn. Henry Ford, der Paradekapitalist, der Antisemit – und Frida Kahlo, die Kommunistin. Sie wird mit den „Gringoleuten“ nicht warm, wie Causemann mit klaren Worten und humorvoll erzählt.

Trotzki

Es folgen weitere schmerzhafte Schicksalsschläge: Frida erleidet mehrere Fehlgeburten, und auch diesen Schmerz verarbeitet sie in ihrer Kunst. Rivera ist seit jeher untreu, seine Affäre mit ihrer Schwester Cristina setzt ihr besonders zu. Frida kontert mit einer Affäre mit Leo Trotzki, der beim Ehepaar Unterschlupf findet, doch mit seiner belehrenden und bürokratischen Art ging dieser ihr schnell „auf die Nerven“. Die Scheidung mit Rivera ist verheerend, und das sind auch zahlreiche Operationen, ein amputiertes Bein, die vielen Monate, die sie wieder im Bett verbringen muss.

Auch UV-Licht kommt zum Einsatz. <span class="copyright">Anja Köhler</span>
Auch UV-Licht kommt zum Einsatz. Anja Köhler

Unweigerlich fragt sich der Zuschauer, wie Frida ihren Lebenswillen trotz all dieser Schläge behalten konnte, wie die Freundschaft zur Liebe ihres Lebens halten konnte – sie, die beiden „heiligen Ungeheuer“. Die Liebe ist das Wichtigste, sagt Frida, doch ist es wohl auch ihr Glaube an den „wahren Kommunismus“, an die Freiheit, an eine Gesellschaft ohne Klassen, die sie ihre Stärke bewahren lässt.
Am Schluss ist Frida nicht mehr weiß gekleidet, sondern gezeichnet durch die Farben ihres Lebens, das heute beinahe unglaublich erscheint. Mit Witz und sehr poetisch wird diese Geschichte erzählt.

„Frida – Viva la Vida“. Weitere Termine am 7. und 13. Jänner, sowie im März: www.landestheater.org.