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Helles Zeichen der Zivilgesellschaft

19.12.2021 • 20:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Entlang des Bodensees versammelten sich zahlreiche Menschen.<span class="copyright">alexandra serra</span>
Entlang des Bodensees versammelten sich zahlreiche Menschen.alexandra serra

Bundesweit gedenken Menschen Covid-Toten und Gesundheitspersonal.

Wind weht durch die volle Ringstraße in Wien. Kinder beschützen am Boden kniend die kleinen Flammen ihrer Kerzen. Erwachsene strecken ihre Handys in die Luft, um deren Lichter so hell wie möglich scheinen zu lassen. Minutenlang gedenken mehr als 30.000 Menschen still der 13.479 Toten, die die Corona-Pandemie laut Gesundheitsministerium bisher in Österreich gefordert hat.

Die 5,2 Kilometer langen Straße, die um den Kern der Hauptstadt führt, ist am Sonntagabend voll mit Gruppen aus Menschen. Eltern helfen ihren Kindern beim Anzünden mitgebrachter Kerzen, Paare halten sich gegenseitig warm, Jugendliche tauschen sich mit ihren Freunden aus. Um 19 Uhr wird es leise.

Über 30.000 Menschen gedenken still

Am vierten Adventsonntag bilden die Lichter um die Innenstadt minutenlang den größten Adventkranz der Welt. Über 30.000 Menschen gedenken den Erkrankten, Verstorbenen und ihren Angehörigen und würdigen den unermüdlichen Einsatz des Gesundheitspersonals.

Mehr als 30.000 Menschen nahmen am Lichtermeer am Wiener Ring teil.
Mehr als 30.000 Menschen nahmen am Lichtermeer am Wiener Ring teil. APA/HANS PUNZ/APA-POOL

Nach einigen Minuten durchbricht ein Klatschen die Stille. Wie eine Welle bahnt sich das Geräusch durch die Menge und die kreisförmige Straße entlang bis der ganze Ring applaudiert.

„Eine laute Stille, die man im ganzen Land hört“, hatte sich Roman Scamoni gewünscht. Gemeinsam mit Daniel Landau hat er das Lichtermeer zum Gedenken an die Corona-Toten ins Leben gerufen. „Wir wollen nicht mehr sein als die anderen oder lauter oder wichtiger. Wir wollen einfach da sein, wir wollen zusammenkommen, miteinander Kerzen anzünden. Mir geht es um das Hand-Ausstrecken und Einladen“, erklärte der gebürtige Innsbrucker bei einer Pressekonferenz am Donnerstag.

Breite Unterstützung

„Die Idee ist etwas mehr als eine Woche alt. Das erscheint mir fast skurill“, sagte Daniel Landau zur Kleinen Zeitung. „Roman Scamoni und ich haben uns fallenlassen in der Hoffnung, andere Menschen mitnehmen zu können mit dem Gedanken, miteinander für etwas zu sein.“ Über 30.000 Menschen haben sich mitnehmen lassen.

Gewerkschaft, Ärztekammer, Volkshilfe, Regligionsgemeinschaften und Pensionistenklubs unterstützten im Vorhinein die Initiative. Mehr als 2600 Ärztinnen und Ärzte zeigten ihre Unterstützung in einem offenen Brief. Aus der Politik wurde der Aufruf der Zivilgesellschaft von Bundeskanzler Karl Nehammer ebenso verbreitet wie vom grünen Koalitionspartner, SPÖ und Neos.

Gedenken auch aus der Ferne

Bundespräsident Alexander Van der Bellen stellte als Zeichen seiner Unterstützung eine Kerze in ein Fenster der Hofburg. Zahlreiche Österreicherinnen und Österreicher, die nicht selbst am Lichtermeer in Wien teilnehmen konnten, taten es ihm gleich.

Ein „helles Zeichen für ein friedvolles Miteinander“ wurde am Sonntagabend auch in Bregenz und vier weiteren Vorarlberger Gemeinden gesetzt. Zumindest mehrere hundert Teilnehmer kamen mit brennenden Kerzen am Bregenzer Seeufer zusammen.