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Das Leben ist wie eine Bühne oder umgekehrt

31.07.2021 • 17:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
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Heidi Salmhofer mit ihrer Sonntags-Kolumne
in der Neue am Sonntag

Nach einer erfolgreichen Theaterpremiere sitzt man meist noch etwas länger zusammen und quatscht über dies und das und selbstredend über Theater und somit auch über Dinge, die auf der Bühne passiert sind. Damit kommen auch immer wieder Geschichten über Hoppalas aus dem Theaterleben hoch, an die man sich schmunzelnd zurückerinnert.

Ich zum Beispiel, ich verlor in jüngeren Jahren als Winnetous Herzensdame Ribanna vor 500 Menschen den Rock. Das hatte zur Folge, dass in eigentlich einer höchst dramatischen, auf Leben und Tod fokussierten Szene, die Tribüne in schallendes Gelächter ausbrach. Oder jener Kollege, der auf der Bühne ein Blackout hatte und sich daraufhin mit fragendem Gesicht zu mir wandte und ganz in seiner Rolle mir die Frage „Und, wie geht’s dir so“ zuwarf und ich dann mit ratterndem Gehirn überlegte, wie ich denn auf das hinauf wieder halbwegs save in der Szene weiter machen kann. Und dann war da auch noch jene Kollegin, die ihren Auftritt als meine Zofe verpasste und ich einsam und verloren auf der Bühne stand und nach ihr rief, bis sie käseweiß mit einem „Verzeihung, Herrin“ zu ihrem Auftritt geeilt kam, in der Hand äußerst wichtige „Dokumente“, ohne jene das Stück jedenfalls nicht weitergegangen wäre.

Solche Momente gibt es viele, meist so gemeistert (außer der Rock-Fauxpas, da gab es keine Möglichkeit, sich wieder bravourös heraus zu manövrieren), dass es dem Publikum gar nicht wesentlich aufgefallen ist und das Stück darunter nicht gelitten hatte. Ich finde das ein wirklich schönes Sinnbild für das Leben. Im Moment des Fehlers, des vermeintlichen Versagens, haben wir das Gefühl, der Himmel fällt uns auf den Kopf. Doch immer finden wir irgendwie eine Lösung. Entweder schaffen wir es selbst, uns aus dem Schlammassel zu ziehen oder jemand hilft uns dabei, wieder „auf die Spur“ zu kommen. Und dann, dann lachen wir darüber, zugegebenermaßen immer noch knieweich und mit dem Schrecken im Nacken. Aber wir lachen. Einige Zeit später ist das einzige, was übrig geblieben, ein – oft humorvoller – „Kannst du dich erinnern“- Gedanke, der für Gesprächsstoff sorgt. Wir meistern unsere Lebens-Hänger so oft mit Bravour, dass wir diesbezüglich ruhig öfter stolz darauf sein können. Und sollte es mal nicht klappen und man „mit heruntergelassenem Rock“ dastehen, ohne Chance auf Entrinnen: Ich schwöre, es kommt von irgendwo ein Winnetou her, der sich beschützend vor dich stellt, während man selbst sich wieder in Ordnung bringen kann. Howgh, ich habe gesprochen!

Heidi Salmhofer ist freiberufliche Theatermacherin und Journalis­tin. Sie lebt als alleinerziehende Mutter mit ihren Töchtern in Hohenems.