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Wieso Luftreiniger keine Sicherheit bringen

12.07.2021 • 14:29 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Luftreiniger können Maßnahmen ergänzen, sind aber kein Allheilmittel
Luftreiniger können Maßnahmen ergänzen, sind aber kein Allheilmittel (c) imago images/Reporters (JEAN MARC QUINET via www.imago-images.de)

Können Luftreinigungsanlagen sicheren Schulalltag gewährleisten?

Wie kann ein Schulbesuch in Zeiten den Pandemie sicher gestaltet werden? Und welche Vorkehrungen müssen für den Herbst getroffen werden? Diese Fragen hat die Stadt Stuttgart wissenschaftlich beantworten lassen. Fachleute der Universität Stuttgart haben also analysiert, welche Maßnahmen in Klassenräumen wie effektiv sind. Die Conclusio der Studie: Luftreinigungsgeräte können helfen, das Infektionsrisiko zu senken, als einzige Maßnahme im Kampf gegen die Coronavirus-Pandemie sind aber auch sie nicht ausreichend. Ähnliches hat auch Aerosolforscherin Bernadett Weinzierl im Gespräch mit der Kleinen Zeitung bestätigt – Details zur Verbreitung von Aerosolen können Sie hier nachlesen.

„Die Geräte können ein Baustein zur Senkung von Infektionsrisiken sein. Sie ersetzen aber nicht die Basishygiene. Ein flächendeckender Einsatz erscheint mir nicht sinnvoll“, sagt Studienleiter Konstantinos Stergiaropoulos (Instituts für Gebäudeenergetik, Thermotechnik und Energiespeicherung).

Verschiedene Lüftungsstrategien

Untersucht wurden unterschiedliche Strategien in Bezug auf Lüftung:

Der Untersuchungszeitraum reicht von Jänner bis Juni 2021. In zehn Schulen wurden jeweils ein bis zwei Klassenräume hinsichtlich des Infektionsrisikos vermessen. Dazu wurde die luftgetragene Ausbreitung ausgeatmeter Aerosole anhand der Freisetzung von Spurengas und Testpartikeln nachgestellt – nicht an „echten“ Lehrern und Schülern, sondern an „thermischen Dummies“, die die Wärmeabgabe von Menschen nachbildeten. Betrachtungszeitraum war eine Doppelstunde mit 90 Minuten.

Ergebnisse der Untersuchungen

Am schlechtesten schnitt jenes Szenario ab, bei dem bei geschlossenem Fenster ohne FFP2-Maske und ohne Luftreinigung gemessen wurde. Hier betrug das Infektionsrisiko durchschnittlich 38 Prozent. Mit der besten Lüftungsvariante (2,5 Minuten Stoßlüften nach jeweils zehn Minuten) reduzierte sich dies auf 15 Prozent. Noch besser wirkten die Luftreiniger – bei großen Volumenströmen sank die Infektionswahrscheinlichkeit auf sechs Prozent. „Hierbei wurden jedoch die Behaglichkeitskriterien bezüglich Akustik und Zugluftrisiko überwiegend nicht eingehalten“, heißt es in der Studie. Sprich: Es wurde laut und zugig. Außerdem wurden CO₂ und die Feuchtigkeit nicht abtransportiert.

Besser bezüglich der Akustik wurde es, wenn die Luftreiniger auf geringere Volumenströme eingestellt wurden. Dann stieg aber umgekehrt wieder das Infektionsrisiko an (auf knapp zehn Prozent). Auf genau diesem Niveau lag auch das Infektionsrisiko bei geschlossenen Fenstern und dem Tragen einer FFP2-Maske (ohne Luftreinigung). Lüftet man zusätzlich, sank die Wahrscheinlichkeit einer Infektion (je nach Lüftungsart) auf rund vier Prozent, mit Luftreinigung sogar auf zwei Prozent. Etwas relativiert wurden die Vorgaben bezüglich Lautstärke und Zugluft durch eine Schüler- und Lehrkräftebefragung. Diese empfanden die Geräte großteils als nicht störend – allerdings nach nur 15 Minuten „Probebetrieb“ und im Juni.

Luftreinigungsgeräte allein reichen nicht

Aufgrund der oben genannten Daten formulierten die Fachleute zentrale Erkenntnisse. So bewerten sie den Einsatz von Masken im Unterricht als eine wirksame Maßnahme zum präventiven Schutz. Weiters sei das Lüften in den Pausen zwingend erforderlich, um die Aerosolkonzentration im Klassenraum zu verringern.

Demnach sind auch Luftreinigungsgeräte keine Alternative zum Lüften, das Ansteckungsrisiko wird nur in Kombination mit weiteren Maßnahmen ausreichend gesenkt. Als langfristige und dauerhafte Lösung wird der Einbau von Raumlufttechnischen Anlagen (Lüftungsanlagen) in Schulen empfohlen.

Studie