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Deutschland eilt in der Pandemie zu Hilfe

10.04.2021 • 10:35 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Deutschland eilt in der Pandemie zu Hilfe

Deutschlands Position in China und den USA hilft Österreichs Wirtschaft.

Deutsch-österreichische Vergleiche sind beliebt, besonders wenn Österreich neben dem Wirtschafts-Goliath gut abschneidet. Im Angesicht der Corona-Krise darf sich die Alpenrebublik über die enge Verflechtung, die in der EU ihresgleichen sucht, glücklich schätzen. Die starke Präsenz Deutschlands in den großen Überseemärkten dürfte Österreichs Fallhöhe in die Rezession reduziert haben. Die Unternehmen hätten von den engen Wirtschaftsbeziehungen klar profitiert, so Thomas Gindele, Chef der Deutschen Handelskammer in Wien.

Im vierten Quartal 2020 war die deutsche Wirtschaft nach Zahlen des Ökonomen Gabriel Felbermayr aufgrund der Exportstärke „nur“ um 3,6 Prozent, die in Österreich um 5,9 Prozent eingeknickt, was vor allem auf das Konto des Tourismus geht.

Die Corona-Spuren im deutsch-österreichischen Export sind dennoch tief: Das immer noch gewaltige Handelsvolumen von 100 Milliarden Euro wurde 2020 durch die Pandemie um neun Prozent auf das Niveau von 2017 gedrückt. Obwohl sich bereits in vielen Teilen der Industrie ein starker Aufschwung anbahnt, dürfte es auch heuer noch einmal um sechs Prozent schrumpfen.

„Vertrauen in den Binnenmarkt wiederherstellen“

Eine Entwicklung, der die Deutsche Handelskammer in Österreich (DHK) nicht tatenlos zusehen will. Sie fordert engere Kooperationen in vielen zukunftsträchtigen Wirtschaftsfeldern ein – zumal sie mit dem einflussreichen VW-Aufsichtsratschef und Vorstandschef der Porsche SE, Hans Dieter Pötsch, einen aus Österreich stammenden Vorzeigepräsidenten hat, dessen Wort gehört werden dürfte. Schützenhilfe hat sich Gindele auch bei Gabriel Felbermayr geholt, Chef des Kieler Instituts für Weltwirtschaft, der ab Oktober nach Wien an die Spitze des Wirtschaftsforschungsinstituts wechselt.

Felbermayr kritisiert in dem gemeinsamen Pressegespräch die noch immer bestehenden unzähligen bürokratischen Hürden innerhalb der EU und sagt: „Was total wichtig ist: Wir müssen das Vertrauen in den Binnenmarkt wiederherstellen.“ In Österreich gebe es in der Politik zudem die Tendenz, eigene Fehler Brüssel in die Schuhe schieben zu wollen. „Ich mache mir schon Sorgen, dass man hier die EU zum Sündenbock macht für Fehler, die von der Regierung gemacht wurden“, so der Ökonom.

Pötsch bläst ähnlich ins Horn: Die Pandemie lebe Überbürokratisierung und gleichzeitig die Leistungsschwäche der Behörden bloß. Damit man nicht weiter hinter China und die USA zurückfalle, müsse man daran „intensiv arbeiten“ statt sich über das Hin oder Her von Lockdowns zu streiten.

Pötsch und Gindele umreißen die Felder, auf denen Österreich und Deutschland viel stärker als bisher an einem Strang ziehen sollten, so: Man brauche eine grenzüberschreitenden Lade- und Netzinfrastruktur für die Elektromobilität. Gindele sieht beste Voraussetzungen für eine enge Zusammenarbeit bei Entwicklungen im Bereich Wasserstoff. „Da sucht Deutschland gezielt nach Unternehmen und Ländern, die da mitziehen,“ sagt er. „Ein weiteres großes Thema ist der Bereich Energieeffizienz, weil Österreich da über enorme Kompetenz verfügt.“ Sehr sinnvoll seien auch viel engere Kooperationen rund um die künftig in der ganzen EU forcierte Kreislaufwirtschaft, die nicht an Ländergrenzen halt machen werde.