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Zwölf Anzeigen nach Coronapartys

18.02.2021 • 14:47 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Das Studentenheim "Mine Room" in Leoben-Leitendorf
Das Studentenheim „Mine Room“ in Leoben-Leitendorf Brigitte Schöberl

Zu Studentenheim in Leoben musste bereits mehrmals Polizei anrücken.

„Ich möchte in Ruhe schlafen können. Und vor allem habe ich Angst, dass sich Leute mit Corona anstecken und dann ein großer Cluster aufgeht“, erklärt ein entnervter Nachbar des Studentenheims „Mine Room“, das in Leoben-Leitendorf liegt. Seit Oktober habe er etwa 15 Mal die Polizei angerufen, damit sie wegen der Lärmbelästigung sowie der Nichteinhaltung der Covid-19-Maßnahmen einschreitet.

„Im Studentenheim wurden sogar in den harten Lockdowns Partys gefeiert, als gäbe es kein Corona. Manchmal war die Polizei drei Mal da, weil bis in die frühen Morgenstunden gefeiert wurde“, sagt der Nachbar. Vor allem werde stets im Eingangsbereich des Studentenheims gefeiert: „Oft sind es zwischen 20 und 50 Leuten, die sich bei den Partys tummeln – ohne Maske, ohne Abstand.“ Das sei auch ein Wahnsinn, weil jeder, der in das Gebäude gehen oder es verlassen wolle, sich dort durchdrängen müsse, meint der Nachbar.

E-Mail an alle Bewohner des Studentenheims

Die Heimleitung habe ein E-Mail an die Bewohner geschickt – mit der Bitte, das Partyverbot im „Mine Room“ und alle relevanten Corona-Schutzmaßnahmen zu beherzigen. Das sei in den vergangenen Wochen bei dem Partyvolk nicht auf offene Ohren gestoßen. „Man hört, dass es sogar Studenten aus Wien gibt, die in den ,Mine Room‘ in der Steiermark kommen, weil hier Partys abgehen, während in der Bundeshauptstadt streng kontrolliert wird“, so der Nachbar.

„Vom ersten Jänner bis jetzt gab es insgesamt vier Anzeigen. Der Grund des Polizeieinsatzes im ,Mine Room‘ war dabei jedes Mal Lärmerregung“, führt Karl Holzer, Stadt- und Bezirkspolizeikommandant, aus. Zum Vorwurf der „Coronapartys“ meint er: „Es gab bei diesen Einsätzen insgesamt zwölf Abmahnungen sowie auch zwölf Anzeigen wegen Übertretungen nach dem Covid-Maßnahmen-Gesetz“, so Holzer.

In der Regel komme es bei der ersten Übertretung zu keiner Anzeige: „Wir bemühen uns, die Amtshandlung bei der ersten Übertretung nur mit der Abmahnung abzuschließen“, so Holzer weiter. Es werde immer eindringlich appelliert, sich an die Maßnahmen zu halten – mit dem Hinweis auf deren Bedeutung in der aktiven Bekämpfung der Pandemie. „Wenn jemand kein Verständnis zeigt, kann es auch beim ersten Mal zu einer Anzeige kommen“, sagt Holzer. Sofort zu einer Anzeige komme es im Wiederholungsfall.

Schutz der Bewohner und der Mitarbeiter im Auge

„Als Unterkunftgeber wollen wir keinesfalls, dass bei uns Partys gefeiert werden, und versuchen alles zu tun, damit die Corona-Sicherheitsbestimmungen eingehalten werden“, sagt auf Anfrage der Kleinen Zeitung die Geschäftsführung der OeAD-Wohnraumverwaltung in Wien. Der Partyraum und der Fitnessraum im „Mine Room“ seien gesperrt.

„Wenn sich Leute etwa am Gang treffen, werden sie von unseren Mitarbeitern aufgefordert, Maske zu tragen und alle Sicherheitsbestimmungen einzuhalten, sollte es nicht der Fall sein.“ Der Schutz der Bewohner und der Mitarbeiter sei oberstes Gebot: „Wir versuchen, an die Vernunft zu appellieren. Wo es notwendig sein sollte, schreiten wir ein“, meint die Geschäftsführung.

Es gebe ehrenamtliche Mitarbeiter, die im Heim wohnen, und sogar in der Nacht ansprechbar seien: „Sie machen teils Runden, und schauen darauf, dass die Nachtruhe eingehalten wird.“ Es könne vorkommen, dass ein Mitarbeiter selbst die Polizei verständige, wenn der eigene Appell an die Bewohner nicht zielführend sei. Auf jeden Fall bekomme man in der Zentrale Meldung, wenn es Vorfälle an einem Standort gibt: „Dann reagieren wir sofort mit einem entsprechenden Rundmail an alle Bewohner.“ Ein solches habe es in Leoben gegeben.

Um künftig stärker ein Auge auf die Situation zu haben, überlege man, die Anzahl der ehrenamtlichen Mitarbeiter zu erhöhen: „Was wir nicht wollen, ist ein Securitydienst. Die Bewohner sollen sich bei uns zuhause fühlen.“ Derartige Vorkommnisse wolle man aber „amikal-streng“ lösen, so die Geschäftsführung.