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50 als Ziel: Was hat es damit auf sich?

19.01.2021 • 14:01 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Abwarten im Homeoffice: Die Zahlen sind zu hoch
Abwarten im Homeoffice: Die Zahlen sind zu hoch len44ik – stock.adobe.com

Warum sich Politik an Zahl 50 klammert, und was passieren soll.

1. Was hat es mit der Zahl 50 auf sich?
ANTWORT: Die Zahl 50 bezieht sich auf die sogenannte „Sieben-Tage-Inzidenz“, also die Zahl der Infizierten pro 100.000 Einwohner innerhalb einer Woche. Die Zahl 50 bedeutet für Österreich rund 700 Neuinfektionen pro Tag.

2. Von welchem Niveau aus starten wir?
ANTWORT: Mit dem gestrigen Tage lag die Sieben-Tages-Inzidenz bei 142,5, die Zahl der Neuansteckungen pro Tag bei 1161 – das ist das Niveau von Anfang Oktober 2020, bevor die Ampel in den ersten vier Bezirken auf Rot schaltete.

3. Was ist der Grund dafür, dass die Zahl 50 zum Ziel erhoben wurde?
ANTWORT: Die WHO empfiehlt eine Lockerung erst ab einer Sieben-Tage-Inzidenz von 50. Das hat vor allem damit zu tun, dass davon ausgegangen wird, dass bei dieser Größenordnung das Contact Tracing noch funktioniert, man zweifelsfrei die Ansteckungsherde orten und bekämpfen kann.

4. Ist die Zahl 50 tatsächlich die „magische“ Zahl, auf die wir uns verlassen können?
ANTWORT: Nein. Zu 100 Prozent verlassen können wir uns auf gar nichts, insbesondere die höhere Ausbreitungsgeschwindigkeit durch mutierte Viren bereiten Sorgen und führten zu FFP2-Maskenpflicht und Babyelefanten-Wachstum. Die Zahl 50 ist der Versuch, Wissen und Erwartungen der Experten in eine fassbare Formel zu kleiden.

5. Warum hält man sich nicht an die seinerzeitige Ampel-Idee, wonach Maßnahmen regional definiert werden?
ANTWORT: Man fürchtete zunehmend, dass das Virus nicht Halt macht vor Ortsgrenzen und dass die Bevölkerung zu mobil ist, um den Verbreitungsradius einzufrieren.

6. Warum glauben jetzt alle, dass nach zehn Wochen alles wieder gut ist?
ANTWORT: Die Experten, die die Regierung beraten – Virologen, Epidemiologen, Statistiker – gehen davon aus, dass zwei bis drei Monate reichen, um das Infektionsgeschehen unter den neuen Voraussetzungen zu beobachten, zu bekämpfen und in den Griff zu bekommen. Sie würden mit Lockerungen am liebsten warten, bis die Zahl 50 erreicht ist, wissen aber, dass ein Schrecken ohne Ende politisch nicht durchsetzbar ist. Die nun angepeilten zehn Wochen sind die goldene Mitte – und enden zu einem prägnanten Datum, nämlich genau zu Ostern.

7. Was ist, wenn die Zahl der Neuansteckungen zu einem späteren Zeitpunkt wieder steigt?
ANTWORT: Das soll dann nicht mehr relevant sein, sagen die Experten, denn bedrohlich ist nicht die Zahl der Kranken, sondern die Zahl der tendenziell schwerer erkrankenden Älteren, die die Spitäler und Intensivstationen fluten. Man will es nicht zur „Triage“ kommen lassen, also dazu, dass man wählen muss, wen man behandelt und wen nicht.

8. Wie soll das verhindert werden?
ANTWORT: Die Regierung sagt, mit den derzeit zugelassenen Impfstoffen und Liefervereinbarungen seien trotz der aktuellen, nur kurzfristigen Lieferzögerungen bis Ende April alle über 65-Jährige geimpft, bei voller Zulassung des dritten Impfstoffs von AstraZeneca sogar schon Ende März. Problematisch wäre eine Zulassung von AstraZeneca nur für unter 55-Jährige, das würde den Zeitpunkt, zu dem wir „safe“ sind, hinausschieben.